Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Zum ersten Mal spielen zwei deutsche Mannschaften um den Sieg: Bayern München und Borussia Dortmund. Die Fans der anderen großen Fußballnationen konnten schon früher dieses Vergnügen genießen, jetzt sind die Deutschen an der Reihe. Auch ich werde gespannt vor dem Fernseher sitzen, die Fußball-Champions-League ist ein großes Kino. Mich interessiert außerdem, wie die deutschen Sportjournalisten in ihren Vorberichten mit dem Ereignis umgehen. Die überregionalen Medien dürfen ja nicht Partei ergreifen, sie wollen es sich weder mit den Bayern-Fans noch mit den Anhängern von Borussia-Dortmund verscherzen.

Würde eine deutsche Mannschaft gegen eine spanische antreten, könnten sie schreiben: "Ganz Deutschland fiebert mit unseren Jungs!" Aber jetzt? Es muss etwas anderes her, zum Beispiel: "Wir sind Finale!" Das ist eine Abwandlung des "Bild"-Aufmachers "Wir sind Papst". Der deutsche Pay-TV-Sender Sky spielt zurzeit diesen Slogan rauf und runter.

Vorige Woche warb Sky mit einem anderen Spruch: "Zwei Stämme ziehen in die Schlacht, aber eine Nation zieht ins Finale." Ich halte das für ein schiefes sprachliches Bild, denn der Stammesbegriff wird heute nur noch bei den Indianern Nordamerikas und bei einigen Gesellschaften Afrikas und Asiens als passend empfunden. Die Münchner und die Dortmunder mit Stämmen zu vergleichen, ist kühn.

Mich erinnert das rein deutsche Finale an ein Bonmot von Gary Lineker. Der ehemalige englische Stürmer arbeitet heute um viel Geld als Fußballkommentator für die BBC. In einem resignativen Moment kreierte er den Satz: "Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen." Diese Feststellung wird am Samstag in Wembley mit hundertprozentiger Sicherheit zutreffen.

Da muss man kein großer Prophet sein.

Der Sky-Kommentator Marcel Reif hat den Gedanken weitergesponnen. Für jene, die diesen genialen und oft auch polarisierenden Journalisten nicht kennen: Marcel Reif ist einer, dem immer etwas einfällt. Als sich 1998 der Beginn des Spiels zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund um mehr als eine Stunde verzögerte, weil ein Tor zusammengebrochen war, trumpfte er mit einem Satz auf, der perfekt die Situation umschrieb: "Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan."

Am Samstag wird Marcel Reif wieder eine Reihe bemerkenswerter Bonmots von sich geben. Eines davon hat er in einem Vorbericht schon verraten. "Eigentlich wollte ich es mir für die Reportage aufheben", meinte der gebürtige Pole, der jetzt in der Schweiz lebt und seit kurzem auch Schweizer Staatsbürger ist. Und dann nahm er die Pointe tatsächlich vorweg: "Am meisten aufs Endspiel in Wembley freuen sich die Engländer - weil endlich nach 48 Jahren eine deutsche Vereinsmannschaft dort verlieren wird." Kleiner Schönheitsfehler: Seit 1965 hat dort keine deutsche Vereinsmannschaft ein Pflichtspiel absolviert.