Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Besuch in meiner Hausbank. Ich stehe in einer Schlange und höre, wie die Bankangestellte das Anliegen des Kunden, der jetzt an der Reihe ist, aufnimmt. Ihn kann ich nicht verstehen, sie aber sehr wohl. Es ist immer dasselbe Wort: Okay.

Das Adverb ist inzwischen eine Allerweltsfloskel geworden. Was haben wir eigentlich früher in so einer Situation gesagt? Ich vermute "ja" oder "verstehe" oder "mhm". Der Wortschatz eines interessierten Zuhörers, der sein Interesse deutlich machen will, war also früher stärker differenziert.

Ich habe den Eindruck, dass die Reduktion auf ein einziges Wort dadurch kompensiert wird, dass okay mit unterschiedlicher Intonation realisiert wird. In der Stakkatovariante wird das o ganz kurz ausgesprochen und nach dem Konsonanten ist Schluss: okh. Übersetzt ins Deutsche könnte die Bedeutung in diesem Fall so umschrieben werden: "Ich hab’s kapiert, mach endlich weiter!"

Noch immer etwas genervt klingt das Wort, wenn die letzte Silbe am Anfang betont wird, wobei das i am Ende abrupt zu Boden gleitet: oukEEEi. Übersetzt könnte das heißen: "Gut, ich habe es verstanden, kommen wir zum nächsten Punkt!"

Wirklich angenehm erscheint ein in weitem Bogen ansteigender Tonfall, der sich irgendwo in der Höhe verliert: oukeEEII. Da schwingt ein Räsonieren mit. "Interessant! Was werden Sie mir noch sagen?"

Fast könnte man meinen, dass das Deutsche zu einer Tonsprache wird, ähnlich wie die chinesischen Sprachen, wie Thai und Vietnamesisch oder viele der indogenen Sprachen Amerikas. In den tonalen Sprachen gehört der Ton allerdings fest zum Wort, es gibt Wörter ganz unterschiedlicher Bedeutung, die sich klanglich nur durch den Tonverlauf oder die Tonhöhe unterscheiden. Beim Wort okay geht es ja nur um Nuancierungen.

Die Rechtschreibexperten befassen sich heute mit der Frage, ob in der abgekürzten Form die Punkte stehen müssen. Mit anderen Worten: Ist statt o. k. auch ok okay? Wenn man sich an das Österreichische Wörterbuch hält, muss man diese Frage verneinen. Während im Amerikanischen die Punkte immer häufiger weggelassen werden - eine Praxis, die auch ins Deutsche überschwappt -, gilt die abgekürzte Form ok bei uns noch als falsch. Dafür lässt das Wörterbuch auch die Großschreibung O. K. zu - das ist merkwürdig, denn Adverbien und Adjektive schreibt man normalerweise klein.

Richtigerweise ist nur die substantivierte Form groß zu schreiben. "Sie hat ihm ihr Okay gegeben." Soll heißen: Es liegt also das Einverständnis, die Zustimmung der Gesprächspartnerin vor.

Im Amerikanischen ist das Wort erstmals 1790 in einem Gerichtsakt in Tennessee belegt. Es soll sich um eine Abkürzung von "oll korrekt" handeln, eine scherzhafte Verballhornung von "all correct". Abkürzungen falscher Schreibungen waren damals beliebt: KY für "know yuse" (no use = zwecklos), KG für "know go" (no go = geht nicht) oder NS für "nuff said" (enough said = genug gesagt). NS hat inzwischen allerdings bei uns eine andere Bedeutung.