Die Frau Magister Vizebürgermeisterin Renate B. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) und die Frau Magister Kaufmännische Geschäftsführerin der Wiener Linien, Alexandra R. (ihren Nachnamen kennt die Redaktion ebenfalls, halt nicht auswendig), haben mir einen Brief geschrieben. Okay, eh nicht nur mir. Allen Jahreskartenbesitzern ("neben Ihnen sind das noch 520.000 weitere Fahrgäste"). Um das wieder gutzumachen, sollten die beiden jetzt aber schleunigst ein Bäumchen pflanzen. Außer natürlich, ihr Schreiben wurde auf Sojapapier gedruckt und kein Baum ist dabei zu Schaden gekommen. Immerhin haben sie das an 520.000 und eine Person verschickt.

Bei dem Aufwand (zu zweit haben sie 520.001 Kuverts zugeklebt - he, wann gibt’s Fotos von ihren wunden Zungen auf Facebook?) muss es eine echt wichtige Mitteilung sein. Aha, es bleibt für mich alles genauso gleich, wie es ist. Meine Jahreskarte kostet "weiterhin nur 365 Euro" und ich bin "daher auch künftig um 1 Euro pro Tag" unterwegs. Oh, am 29. Februar fahr ich gratis! Das nächste Mal 2016. Shit, ein Montag. An Montagen geh ich immer zu Fuß. Von meiner Couch zum Kühlschrank und wieder zurück und zwischendurch aufs Klo. Da bin ich nicht in der Redaktion. Trotzdem: Danke. Moment: "Blabla investieren die Blabla weiterhin kräftig in Komfort, Ausbau und Blabla der Öffis." Sind bei den 400 Millionen die neuen Aufkleber über den U-Bahntüren schon dabei ("Ausgang/Exit") oder kosten die extra? Ach, wahrscheinlich werden die von "Red Bull"gesponsert. Heißt das "Sozialistischer Inschpektor" (von "Bulliceman") oder "Indianerhäupl"? Jedenfalls ist unlängst eine leere Dose sehr verdächtig in der U4 herumgerollt und hat die Fahrgäste belästigt. Auffälliger kann man ein Productplacement wohl nimmer machen. Ja, die Pickerln sind bestimmt gut gemeint, in mir haben sie freilich eine Massenpanik ausgelöst. Eine Engelsstimme sagt also zu mir: "Ausstieg links." Aber da is ka Ausstieg! Da sind alles nur Ausgänge! (Das ist eine Falle! Ich komm hier nie mehr raus!) Na ja, wenigstens hätte mich das Mädel, dem die Ohren schon übergelaufen sind vor lauter Techno, im Ernstfall mit den Ohrhörern vom iPod defibrillieren können. Und jetzt weiß ich, warum die U-Bahnen so voll sind. Weil mehr Leute ein- als wieder aussteigen. Die sind eben alle verwirrt, wo sich denn nun dieser ominöse "Ausstieg" befinden soll.

Hm. Die Wiener Linien sollten lieber das Sicherheitsrisiko "Fenster" entschärfen. Und endlich überall Vorhänge montieren. Und zuziehen. Damit ich mir beim Rausschauen nicht ständig halbert die Nase brech’. Ich würd’ nämlich nicht auf so billige Schockeffekte reinfallen wie auf eine mit Klebefolie nachgestellte Szene aus Hitchcocks "Die Vögel". (Ich hätte übrigens einen Vorschlag. Wie man verhindert, dass Insekten auf der Autowindschutzscheibe unfreiwillig Kamikaze begehen. Diesen rituellen Selbstmord. Die Vignette kriegt zur Abschreckung einfach die Form von einem Frosch.) Wie ich der U-Bahn doch noch entkommen bin? Indem ich mir klargemacht hab, dass ich eigentlich gar nicht drin bin. Denn wie hätte ich überhaupt hineinfinden sollen? Hatten die doch glatt vergessen, draußen hinzuschreiben: "Eingang/Entrance." (Idioten!) Da hab ich dann locker rausspazieren können.