Dieser Juni hat also um 2,2 Prozent mehr gekostet als der letzte. Na und? Soll mich das etwa beeindrucken? Das Produkt, das ich am täglichsten in meinen Warenkorb lege, ist gleich um 35 Prozent teurer geworden. (Dagegen ist die Inflation ja direkt ein Sonderangebot.) Und es hat kein ganzes Jahr dafür gebraucht, sondern bloß eine Nacht. Anfang Juli ist das passiert. Hängt wahrscheinlich trotzdem irgendwie mit der Teuerung zusammen. Die muss endlich billiger werden. Meine Ausgaben für Miete, Energie, Essen steigen so schon stark genug. Da kann ich mir eine Inflation nicht auch noch leisten. Kann ich die nicht von der Steuer absetzen? Als außergewöhnliche Belastung? Ach, vielleicht sollte man sie einfach notverstaatlichen. Oder besser nicht. Das hat man mit der Kärntner Hypo gemacht. Und die wird jetzt bekanntlich "abgewickelt". He, was, wenn die EU die Inflation ebenfalls kurz und schmerzlos abwickeln tät? (Was heißt das überhaupt?)

Dabei wär’s so simpel: Man montiert sämtliche Bankomaten ab. Es gibt nämlich viel zu viel Geld. Deswegen der Kaufkraftverlust. Weil an jeder Ecke so ein Geldscheißer steht. (Die Leute sollen gefälligst mit der Kreditkarte zahlen!) Wenn ich schon seh, wie sich da einer seelenruhig ein paar Scheine rauszieht, während das Cola im Billaregal vor sich hin teuert, würd’ ich den am liebsten beim Schneewittchen packen und beuteln: "Reicht’s Ihnan noch ned, dass des Clever-Cola inzwischen statt 29 Cent 39 Cent kostat? Wenn jetzan die Schokobananen a noch teurer wean, moch i Sie persönlich dafia verantwortlich. Hams a nur irgend an Tau von Wirtschaft? Hait kriagt offenbar scho jeda Voikoffa a Bankomatkoatn."

Okay, sollten sich auch Angebot und Nachfrage auf die Preise auswirken, so wird . . . das Benzin in Wien bald billiger. Dafür wird man für grüne Farbe das Börsl tiefer ausgreifen müssen (halt bis die Radwege fertig angepinselt sind). Genial: Zuerst wird mit einem verlockenden Angebot die gewünschte Nachfrage erzeugt. Da ein leerer Parkplatz beim Menschen den unkontrollierbaren Drang auslöst, sofort einen Kredit für ein neues Auto aufzunehmen, wird ein leerer Radweg ihn wohl dazu bringen, das auf Pump gekaufte Fahrzeug umgehend stehen zu lassen und sich stattdessen ein Rad zuzulegen. Dann sind noch weniger Parkplätze frei (da haben ja die Radler bereits ihre Autos abgestellt), niemand ist mehr motiviert, sich einen Pkw anzuschaffen, die Nachfrage nach Benzin sinkt. Damit hätte die Vizebürgermeisterin und amtsfahrende Stadträtin für Verkehr, Maria Vassilakou, zwei Fliegen mit einer einzigen Watsche geohrfeigt. Es wird weniger Sprit verbraucht und der ist günstiger (was den Steuerzahler entlastet, denn schließlich fahren die Dienstwägen der Politiker nicht alle mit Erdgas).

Oh, lustiger Zufall: Die Grünen wollen zehn Prozent Radfahrer im Straßenverkehr und die EU will das Benzin mit zehn Prozent Biologie strecken. Mit Bioethanol. Wird dadurch eigentlich das Autofahren gesünder oder will man nur länger mit den Erdölreserven auskommen? (Ähm, durch die Anreicherung des Verkehrs mit Radfahrern?) Ich werd’ nun jedenfalls das Clever-Cola boykottieren, bis meine massive mangelnde Nachfrage den Preis wieder versenkt hat. Und bis dahin trink ich eben Pepsi.