Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Es geht mir hier nicht darum, in die aktuelle Diskussion über die Abschiebung von Pakistanis einzu-

greifen. Ich will mich auch nicht mit der bereits viel kommentierten Koinzidenz befassen, dass kurz darauf ein pakistanischer Schlepperring ausgehoben wurde - wobei auch hier die Unschuldsvermutung gelten sollte. Gehen wir einmal davon aus, dass alles ordnungsgemäß abgelaufen ist. Hier geht es um das Kommunikationsverhalten der Innenministerin.

In der "ZiB2" vom vergangenen Mittwoch war Johanna Mikl-Leitner den Fragen von Armin Wolf ausgesetzt. Wir haben es ja schon oft erlebt, dass Politiker mit Antworten geizen. In dieser Hinsicht ist Frau Mikl-Leitner keine Ausnahme - ich könnte auch Politiker der SPÖ und anderer Parteien als Gesprächsverweigerer anprangern. Für den Fernsehzuschauer ist das genauso frustrierend wie für den Moderator. Armin Wolf gehört ja zu jenen, die auf die Verweigerung von Antworten ausdrücklich hinweisen: "Frau Minister, Sie weichen mir aus!" Und dann wiederholt er die Frage, mehr kann er ja nicht tun.

Schließlich wollte Armin Wolf wissen, warum in Österreich nur ein Prozent der pakistanischen Antragsteller Asyl bekommen, während es im EU-Schnitt acht Mal so viele sind.

Mikl-Leitner war auf dieses Thema in groben Zügen vorbereitet, doch das ihr vorliegende Argumentationsmaterial war mit der Fragestellung nicht hundertprozentig deckungsgleich. Was macht ein Politiker in so einem Fall? Er verwendet das vorbereitete Material trotzdem, er kümmert sich nicht darum, dass es nur halbwegs passt. Also erläuterte Mikl-Leitner nicht die niedrigen Anerkennungszahlen Österreichs verglichen mit der Gesamt-EU, sondern das Gefälle zwischen Deutschland und Österreich.

Nach Österreich komme vor allem "die Volksgruppe der Sunniten." Das würde sich auf den statistischen Vergleich mit unserem Nachbarn auswirken - in Deutschland beträgt die Anerkennungsrate das 17-fache der österreichischen. Warum? Weil dort vor allem die Ahmadis, "eine spezielle Volksgruppe, die besonders gefährdet ist, Anerkennung findet".

Bemerkenswert ist die Ansicht der Ministerin, dass die Sunniten eine Volksgruppe sind. In der Tat handelt es sich um eine religiöse Strömung innerhalb des Islam. Wenn stimmen würde, was die Politikerin gesagt hat, dann würde sie zur Volksgruppe der Katholiken gehören, und die Katholiken und die Protestanten wären eine Volksgruppe innerhalb der Christen.

Auch bei den Ahmadis handelt es sich um Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft. Sie fühlen sich dem Islam zugehörig, werden wegen abweichender Lehrmeinungen aber als nicht islamisch eingestuft. Sie werden zu Haftstrafen verurteilt, ihre Gebetshäuser werden geschändet oder in Brand gesteckt. So gesehen ist deren Verfolgung "speziell", sie sind besonders ge-fährdet. Aber auch sie sind keine Volksgruppe.

Passieren solche terminologische Fehler einem Regierungsmitglied, das noch dazu für die heiklen Asylfragen zuständig ist, wird man nachdenklich.