Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Die Position von Heinz-Christian Strache ist ja bekannt: Die Türken sind die Bösen, die Serben sind die Braven. Darum trägt er auch auf den Fotos der Wahlplakate ein serbisches Freundschaftsband, einmal auf der linken Hand, einmal auf der rechten. Das Signal: Wählt mich! Ich bin zwar gegen Ausländer, aber vor allem die Türken, nicht gegen euch!

Um diese Position zu untermauern, veranstaltete sein außenpolitischer Handlanger namens Gudenus eine kleine Feier: "330 Jahre Befreiung von der Türkenbelagerung". Das ist keine Satire, das ist Realität im österreichischen Wahlkampf! Und wo? Im Kahlenberg-Hotel. In der Schlacht am Kahlenberg zerschlug Jan Sobieski am 12. September 1683 die osmanische Armee - er befehligte das vereinigte Heer von königlich-polnischen, kaiserlichen, bayrischen und sächsischen Soldaten - außerdem von Soldaten südwestdeutscher Fürstentümer. Dass ein Pole die führende Rolle innehatte und unter dem Jubel der Bevölkerung in Wien einzog, wird im Kahlenberg-Hotel wohl kein großes Thema gewesen sein.

Siegesfeiern über die Türken haben in Wien Tradition. Bei den 250-Jahr-Feiern zur Zweiten Türkenbelagerung Wiens posierte der Heimwehrführer Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg vor dem Denkmal seines Vorfahren, des Grafen Starhemberg, eines Mitkämpfers Sobieskis. Das war damals, im Jahr 1933, ein politisches Spektakel.

Gudenus war ein geringes Medienecho beschieden. Nur der "Standard" stellte im "Einserkastl" die süffisante Frage, ob denn im Kahlenberg-Hotel auf die "krummbärtigen Invasoren-Importe wie Kaffee, Kipferl oder gar Strudel standfest verzichtet wurde".

Was stimmt, was stimmt nicht?

Das Wort Kipf bezeichnet seit dem 13. Jahrhundert eine im Süden des deutschen Sprachraums verbreitete Backform, die einen heidnischen Ursprung hat. Ursprünglich wurde damit in Österreich und Bayern ein bogenförmiger Teil des Wagens damit bezeichnet. "Kipfen" wurden bereits bei einer Weihnachtsfeier Leopolds VI., des Glorreichen im Jahr 1227 gereicht. Die Identifizierung mit dem türkischen Halbmond ist reine Erfindung.

Das Getränk Kaffee ist vermutlich in Äthiopien entstanden und es war schon im 16. Jahrhundert im Osmanischen Reich verbreitet. Doch bedurfte es nicht der Türkenbelagerungen, um den Wienern das Kaffeetrinken beizubringen.

Bevor in Wien das erste Kaffeehaus aufsperrte, hatte es derartige Lokale bereits in Venedig, Oxford, London und Bremen gegeben. Die Österreicher waren Spätzünder.

Das erste Wiener Kaffeehaus eröffnete erst 1685. Es war Johannes Diodato, der auf diese Idee kam, ein armenischer Kaufmann aus Istanbul. Dass der Pole Georg Franz Kolschitzky mit einigen Säcken Kaffee, die durch den Sieg über die Türken vor Wien 1683 angeblich erbeutet wurden, das erste Kaffeehaus eröffnete, ist ins Reich der Legende zu verweisen. Und der Strudel - man höre und staune - ist im 18. Jahrhundert vermutlich aus der Türkei über Ungarn nach Österreich importiert worden.

Lange nach der Zweiten Türkenbelagerung Wiens.