Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Die Überschrift klang vielversprechend: "Das schwierigste Wort der deutschen Sprache". Gemeint war jener Abschiedsgruß, der in Österreich und Bayern von vielen als fremd empfunden wird: tschüs oder tschüss. Matthias Heine von der Tageszeitung "Die Welt" ging der Frage nach, wie die richtige Schreibung lautet. Die Wörterbücher würden die Schreibung tschüs favorisieren, im Internet habe jedoch tschüss eine solide Mehrheit.

Fazit: Das Wort wird meist falsch geschrieben.

In einem Posting auf der Website der Zeitung wird diese Meinung zu Recht als Unsinn entlarvt: "Es ist kein Schreibfehler, wenn die Mehrheit der Menschen es so schreibt! Die Menschen machen die Sprache und somit auch die Rechtschreibung und die Grammatik und nicht der Duden." In diesem Fall kommt noch hinzu, dass die Schreibung ja eine Folge der Aussprache ist. Wer das Wort mit langem ü ausspricht, der wird tschüs schreiben, wer ein kurzes ü bevorzugt, der wird die Schreibung tschüss wählen.

Der Duden und das Österreichische Wörterbuch führen als Hauptform tschüs an, sie lassen aber auch tschüss zu. Das zum Thema falsch oder richtig: Beides ist richtig - wenn man die Wörterbücher als oberste Autorität anerkennt, wie es Matthias Heine tut.

Nach meinem Gefühl sagen wir in Österreich eher tschüs, sprechen das Wort mit einem langen Vokal aus. In Postings wird dies manchmal durch die Schreibung tschüüs zum Ausdruck gebracht. Auch die Scherzform tschüsili hat wohl ein langes ü.

Grundsätzlich werden die einsilbigen Wörter im Norden kurz ausgesprochen, wie zum Beispiel Bad.

In dem berühmten Lied "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" von Franz Josef Degenhardt findet sich die Zeile: "Aus Rache ist er reich geworden. In der Oberstadt. / Hat er sich ein Haus gebaut. Nahm jeden Tag ein Bad." Degenhardt, geboren in Westfalen, spricht das Wort so aus, wie wenn es "Batt" geschrieben wäre.

Matthias Heine räsoniert dann noch eine Zeit lang über die Herkunft des Wortes tschüs. Es geht auf ein norddeutsches adjüs zurück, dabei handelt es sich wohl um eine Abwandlung des spanischen adiós, das letztlich in dem lateinischen ad deum (= zu Gott) wurzelt. Tschüs ist nach seiner Wortherkunft auch mit dem Gruß ade verwandt.

Am Schluss kommt der Journalist noch auf die Form Tschüssikowski zu sprechen. Diese sei "infernalisch", sie würde "beinahe russisch" klingen, doch könne man sie nicht der DDR in die Schuhe schieben. "Die Belege geben eher Hinweise darauf, dass es sich erst um eine in den vergangenen zwei Jahrzehnten weiter verbreitete, möglicherweise gar aus dem Österreichischen stammende Pest handelt."

Die Sprachpest kommt also aus Österreich. Sehr freundlich!

Auf einer anderen Internetseite finde ich einen interessanten Hinweis auf die tatsächliche Herkunft. Tschüssikowski sei durch die deutsche Synchronisation der Fernsehserie "Die Zwei" mit Roger Moore und Tony Curtis populär geworden. Danny Wilde pflegte sich mit dieser Absage von der Bildfläche zu verabschieden.