Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Ein neuer Fund hält die Wissenschaft in Atem. Ein Schädel, von fleißigen Paläoanthropologen in Georgien aus dem Erdreich gebuddelt, beweist möglicherweise: Wir haben alle einen Opi aus dem Pleistozän.

Wer sich jetzt aber freut: "Juhu! Jetzt, da wir wissen, dass wir alle Brüder und Schwestern sind, werden wir alle Konflikte in dieser Welt abschaffen!", dem sei gesagt: Erstens wären wir alle zuerst mal Enkeln und Enkelinnen und zweitens zeigt ein Blick auf die abrahamitischen Weltreligionen, dass die Existenz eines einzigen Stammvaters nicht zwingend zu Harmonie unter seinen Nachkommen führt. Eher im Gegenteil. So gesehen sind ja religiöse Auseinandersetzungen auch nur die Fortsetzung eines Erbschaftsstreits mit anderen Mitteln.

Aber wenn Opi schon keinen Frieden bringt, dann vielleicht Erkenntnis. Er entstammt der Art Homo erectus, was so viel wie "aufgerichteter Mensch" bedeutet. Allerdings kennt man "Erektion" freilich auch noch aus anderen Zusammenhängen. Richtig, wer denkt da nicht sofort an den oft verwendeten Begriff der "Erektions-Urkunde". Diese ist laut kanonischem Recht ein vom Bischof unterschriebenes Dokument, das die Errichtung eines Pfarramts erlaubt. Oder eines Amtssitzes mit unterirdischem Gang, Mega-Adventkranz und einer Badewanne um 15.000 Euro. So gesehen wohnt in Limburg zurzeit vielleicht einer der direktesten Nachfahren dieses Homo erectus.

Wo wir schon beim äußeren Erscheinungsbild sind: Da die Paläoanthropologen auch selbst wissen, dass ihre Arbeit (die daraus besteht, in den Misthaufen und Friedhöfen der grauen Vorzeit herumzustochern, um anschließend wochenlang alte Knochen zu putzen und sie zu einem lustigen Puzzle zusammenzulegen) der Allgemeinheit schwer zu vermitteln ist, haben sie eine Zeichnung von unserem Uropa anfertigen lassen.

Das ist hilfreich, denn das Bild zeigt einen stark behaarten Kerl, der einem seltsam bekannt vorkommt. Solche Typen kennt man doch aus dem Freibad im Sommer, wo man sich immer wundert, warum der da seinen Pulli noch an hat.

Oder er erinnert einen an das letzte Zusammentreffen mit Vertretern der sogenannten "Sicherheitsfirmen", bei denen man sich stets freut, dass auch Menschen mit wenig geistiger und emotionaler Kompetenz einen Platz in unserer Gesellschaft finden. Oder man kennt diese Gestalt als Mitglied der Heavy-Metal-Band Lordi. Da sind sich die Forscher noch nicht ganz einig.

Einigkeit besteht nur in einem Punkt. Dem Namen. Denn da man unseren Urahn eben in Georgien gefunden hat, muss er wohl zwangsläufig Georg geheißen haben. Logisch, denn wer hätte denn den Landstrich sonst taufen sollen? Georg wiederum kommt von "ge" (Erde) und "ergo" (Arbeit) und heißt so viel wie "Erdarbeiter".

Das lässt einerseits auf eine landwirtschaftliche Tätigkeit schließen, ist aber andererseits auch eine sehr gute Beschreibung der Kernkompetenzen eines Paläoanthropologen.

So gesehen ist dieser Fund eigentlich eine Art Selbstfindungsprozess.