"Wir leben ja in einer Zeit der Akronyme." So beginnt ein Mail von Robert Fallenstein. Der aufmerksame Leser macht sich Gedanken über die Abkürzungen in der "Wiener Zeitung". Am 22. Oktober fanden sich in unserem Blatt zwei Grafiken mit dem Titel "Verschuldung und Defizit in der EU 2012". Landkarten zeigen die Staatsverschuldung und den Budget-Saldo der 28 EU-Mitgliedstaaten.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Dort wurden alle Ländernamen mit drei Großbuchstaben abgekürzt. Fallenstein: "Hierbei entwickelt sich eine erstaunliche Sprachenvielfalt. Die verwendeten Sprachen und die damit bezeichneten Länder stimmen nicht in allen Fällen überein." Robert Fallenstein hat es abgezählt. Genau 17 der 28 Länder hatten das Privileg, in ihrer Landessprache abgekürzt zu werden: España wird zu ESP, France zu FRA, Italia zu ITA und Österreich zu ÖST.

In sieben Fällen wird auf das Englische zurückgegriffen: Hungary (Magyarország ) wird zu HUN, Germany (Deutschland) zu GER, Sweden (Sverige) zu SWE, Croatia (Hrvatska) zu CRO. Ein Land muss sich damit abfinden, auf Deutsch abgekürzt zu werden: Die Tschechische Republik (Česko) wird zu TCH.

Das klingt nach Mischmasch. Ich habe dazu Univ.-Prof. Heinz-Dieter Pohl befragt, er ist Mitglied im "Ständigen Ausschuss für geografische Namen" (StAGN). Dort legen Deutsche, Österreicher und Schweizer die deutschen Bezeichnungen von allen Ländern der Welt sowie von deren Einwohnern fest - und auch die Abkürzungen der Ländernamen.

In den Listen finden sich Abkürzungen mit zwei und mit drei Buchstaben. Spanien: ES und ESP, Frankreich: FR und FRA, Italien: IT und ITA, Österreich: AT und AUT, Ungarn: HU und HUN, Deutschland: DE und DEU, Schweden: SE und SWE, Kroatien: HR und HRV, Tschechische Republik: CZ und CZE. Die Abkürzungen mit zwei Buchstaben werden auch bei den Internetadressen verwendet, eine österreichische endet mit at, eine deutsche mit de.

Eine Alternative sind die Kfz-Länderkennzeichen: Spanien: E, Frankreich: FR, Italien: I, Österreich: A, Ungarn: H, Deutschland: D, Schweden: S, Kroatien: HR und Tschechische Republik: CZ.

Eine Anfrage bei der Austria Presse Agentur hat ein überraschendes Ergebnis gebracht. Die APA verwendet Abkürzungen, die von den deutschsprachigen Nachrichtenagenturen gemeinsam festgelegt wurden. Und jetzt kommt’s: Während das Berliner Außenamt und der StAGN die Abkürzung DEU festgeschrieben haben, verwendet die Deutsche Presse-Agentur GER. Ein wenig denglisch halt.

Die APA hat sich übrigens das Recht herausgenommen, in Grafiken unser Land mit ÖST abzukürzen, was ich persönlich für gut halte. Bei Sportergebnissen wird AUT verwendet.

Interessant in der StAGN-Liste sind die Einwohnerbezeichnungen. Der Fußballer Didier Drogba ist ein Ivorer - hätte ich gewusst. Dass der Golfer Vijay Singh ein Fidschianer ist, hätte ich nicht gedacht! Mir klingt ein Lied von Friedrich Holländer im Ohr: "Ich lass’ mir meinen Körper schwarz bepinseln..." Und am Schluss heißt es doch: "Ich will ein Fidschi, will ein Fidschi sein!"