Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Ein alter Kellner-Witz geht so: Der Gast kontrolliert die Rechnung und will wissen, was der Rechnungsposten ,Geht’s? - 10 Euro‘ bedeuten soll. Da nimmt der Ober die Rechnung wieder an sich, streicht die zehn Euro durch und kommentiert dies lapidar mit: "Na, dann geht’s halt nicht."

Zuerst habe ich geglaubt, hier versucht der Ober eines Innenstadt-Kaffeehauses ein großes Glas Wasser zu verrechnen. Aber da hätte der Gast keine Chance gehabt, er könnte nur sagen: "Gut, ich zahle die zehn Euro, aber ich war das letzte Mal hier."

Florian Scheuba erzählt den Witz in seinem eben erschienenen Buch "Geht’s? Klartext im Getümpel". Er charakterisiert damit die offizielle Anrechnung der Eurofighter-Gegengeschäfte. "Der einzige Unterschied: Auf ein reales Gegengeschäft kamen zirka zehn ,Geht’s?‘-Posten."

Da die in dem Buch versammelten Zeitungskolumnen nicht mehr taufrisch sind, fügt Scheuba jedem Text einen Kommentar hinzu: Was seither geschah - oder nicht geschah. Im Fall der Kompensationsgeschäfte liest sich das so: "Bei Redaktionsschluss dieses Buches warten wir immer noch auf den ersten Eurofighter-Schmiergeldprozess. Die Republik Österreich verhält sich also nach wie vor wie ein Gast, der dem Ober mit dem ,Geht’s?‘-Trick ohne mit der Wimper zu zucken die manipulierte Rechnungssumme einfach bezahlt. Da stellt sich die Frage: Warum?"

Scheubas Kolumnen sind im Tonfall aggressiver und in der Positionierung eindeutiger als das, was gewöhnlich in Zeitungskommentaren zu lesen ist. Armin Wolf würdigt im Vorwort vor allem den Humor des Kabarettisten. Wäre Florian Scheuba nicht so witzig, würde er längst als einer der führenden politischen Kommentatoren dieses Landes gelten.

"Aber witzig ist halt doch ein bisschen verdächtig. Die Lage ist ernst, also müssen Kommentare bedeutungsschwanger sein. Und wenn die Lage nicht ernst ist, sondern eher absurd - wie das meiste an der heimischen Politik -, muss der Kommentator umso besorgter sein."

Scheuba hat sich auch als Interviewer betätigt. Am Ende des Buches ist ein Streitgespräch mit Jörg Haider und eines mit Wolfgang Schüssel nachgedruckt. Auch dabei besticht Scheuba mit seinen fundierten Kenntnissen des politischen Geschehens, er ist gut vorbereitet. Aber an jene gefürchteten Interviews, die einen André Müller ausgezeichnet haben, kommt er nicht heran. Würde Schüssel das Interview noch einmal lesen - was unwahrscheinlich ist -, käme er zu dem Schluss, dass er sich tapfer geschlagen hat. Und Jörg Haider, wäre er noch am Leben, ginge es nicht anders.

Von "Geht’s?" gibt es übrigens eine Steigerungsstufe: "Geht’s noch?" Die jüngsten Vorkommnisse im "Team Stronach" schienen mir damit adäquat umschrieben.

Mich erinnert das steirische Politik- und Bezeihungsdrama außerdem an jene Sprüche, die wir als pubertierende Jugendliche geklopft haben. Da kam einem von uns ein "Wie geht’s, wie steht’s?" über die Lippen. Und der andere antwortete lapidar: "Das letzte Mal ist es noch gegangen!"