Mögen sie es auch bequem? Dann hätten sie im alten Rom schlechte Karten gehabt. Wer damals wirklich dazugehören wollte, musste seinen Status als römischer Bürger auch durch die entsprechende Kleidung zum Ausdruck bringen - und das war mühsam. Schließlich bestand die Toga, das römische Kleidungsstück schlechthin, aus nahezu sieben Metern Stoff, die erst einmal gebändigt werden mussten.

Ein selbstständiges Anlegen solcher Stoffmassen war nicht möglich. Dem einfachen Mann half die Gattin in die Toga, dem Betuchten eigens dafür ausgebildete Kleidersklaven. In republikanischen Zeiten noch leichter zu handhaben, da enger anliegend, wurde die Toga in der Kaiserzeit immer länger, üppiger und aufwendiger im Faltenwurf - und somit nicht nur durch ihr beträchtliches Gewicht eine rechte Last.

Dennoch oder gerade deshalb war die Toga im alten Rom modisch das Maß aller Dinge. Wer sie trug, musste gemessen und würdevoll einherschreiten, um ein Verrutschen des kunstvoll arrangierten Gebildes zu vermeiden.

Das von den Etruskern erfundene Kleidungsstück avancierte zum Staats- und Amtsgewand des römischen Bürgers. Es wurde zum Inbegriff des Römertums. So nannte der römische Staatsdichter Vergil seine Landsleute "die Herren der Welt, das Volk in der Toga". Wer in Verbannung lebte, durfte sie nicht tragen, für den öffentlich als Bürger auftretenden Römer hingegen war die Toga Pflicht. Ihre Grundfarbe war Weiß. So trugen sie alle Bürger, die nicht als Beamte fungierten. Die jungen Männer nahmen dieses weiße Gewand im Rahmen einer religiösen Feier entgegen - als Symbol der Erlangung der Bürgerrechte. Gleichzeitig legten sie die mit einem Purpurstreifen besetzte Toga der frei geborenen Kinder ab und mussten auch auf jene Amulette ("bullae") verzichten, die heranwachsende Knaben vor Unheil gewahren sollten.

Als Erwachsene durften nur die höchsten Beamten einen Purpurstreifen tragen (jener der Senatoren war breiter als der der Ritter). Zu den Auszeichnungen für besondere militärische Verdienste gehörte u.a. die Erlaubnis, eine mit Goldornamenten bestickte, purpurne Toga überzuziehen. Diese edelste und teuerste Farbe des Altertums war einst Roms Stadtkönigen vorbehalten gewesen und wurde von den Kaisern übernommen.

Nero war auf den Purpur so versessen, dass er niemandem außerhalb des Kaiserhauses gestattete, sein Gewand mit dem kostbaren Farbstoff zu verzieren. Angeblich ließ er, als er während einem seiner öffentlichen Auftritte als Sänger im Publikum eine vornehme Frau mit dem verbotenen Purpur bemerkte, nicht nur deren Kleid, sondern auch gleich ihr ganzes Vermögen konfiszieren.

Mario Rausch, geboren 1970, studierte Klassische Archäologie und Alte Geschichte; lebt als freier Publizist in Klagenfurt und Wien.