Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Der Spitzenkandidat Eugen Freund, diese markante Mischung aus TV-Prominenz und Europakompetenz, ist zweifelsohne ein Marketing-Coup der SPÖ. Darauf wird der Koalitionspartner ÖVP reagieren müssen. Natürlich ist eine Lichtgestalt wie Ernst Strasser, der ja in Brüssel Geheimdienste bereits bekämpft hat, bevor sie überhaupt auftauchen konnten, schwer zu toppen, doch Vizekanzler Spindelegger schafft das. Darum ist auch der neue ÖVP-Kandidat für Europa: Harald Serafin.

Der Mann symbolisiert als ehemaliger Kammersänger und Operetten-Festspiel-Intendant nicht nur das Kulturverständnis der ÖVP-Kernwähler, sondern er kann auch "wunderbar" in 62 verschiedenen Sprachen sagen (drei davon hat er selbst erfunden).

Othmar Karas dagegen wird nach der Wahl in einem abgelegenen Brüsseler Hotelzimmer zufällig wiederentdeckt und übernimmt daraufhin sofort wieder die Büroarbeit.

Die FPÖ startet mit einer Doppelspitze in die EU-Wahl. Jedoch nicht mit den Herren Mölzer und Vilimsky, sondern mit Waterloo und Hansi Hinterseer. Beide bestens den FPÖ-Wählern durch Fernseh- und Disco-Auftritte bekannt, stehen sie für Heimatverbundenheit ("unsare Hoamat" - Hinterseer) und den Kampf gegen eindringende Ausländer (1815 - Waterloo).

Die Grünen dagegen setzen auf selbstgemachte Prominenz. Zum EU-Spitzenkandidaten küren sie nämlich jenes Schaf, das während der Wahlkampagne im Sommer noch für ihr "Weniger belämmert als die anderen"-Plakat sein Tier gestanden hat. Diesmal aber wird der Paarhufer mit dem Slogan "Mit allem - und Schaf!" in den Wahlkampf ziehen. So wird das Ja zur europäischen Integration (mit allem), Bekenntnis zu nachwachsenden Rohstoffen (Schaf = Wolle) wie auch Solidarität mit der notleidenden griechischen Bevölkerung (Schafskäse) mit einem "frechen, aber auch zum Nachdenken anregenden Slogan" transportiert, so die Einschätzung der grünen Wahlkampfleitung.

Die Neos nominieren, um ihr Image als junge Partei zu unterstreichen, das violette Wildschwein "Franz Ferdinand" aus dem Kinderprogramm. Rosa und violett ist ja fast dasselbe und jünger kann man einfach nicht wirken.

Das Team Stronach aber schickt Carolyn Aigner ins Rennen. Als Moderatorin der Glückspielsendung "Euromillionen" kennt sie sich mit Verteilen fremder Gelder aus und "irgendwas wird die Sendung ja mit dem Europa zu tun haben", so der Parteigründer.

Hans Peter Martin dagegen kann die Fernsehköche Andi und Alex zur Kandidatur überreden und gemeinsam ziehen sie unter dem Motto "Koch gefrischt ist halb gewonnen" in die Wahl. Das versteht zwar niemand, dafür sind sie jetzt die Partei mit den allermeisten Vornamen: "Liste Hans Peter Martin Andi & Alex."

Wie langlebig allerdings politische Karrieren von Quereinsteigern sind, weiß niemand. Und doch kann man es schaffen! Man schaue sich nur Ursula Stenzel an. So gesehen wird Eugen Freund vielleicht in ein paar Jahren Bezirksvorsteher von Favoriten sein und bleibt dann - via Hauptbahnhof - mit ganz Europa verbunden.