Ich hab schon gedacht, keiner nimmt mich ernst und alle halten das, was ich hier schreibe, für einen Witz. Als ich durch Zufall (ein verräterisches Haar in der Misosuppe) herausgefunden hatte, dass es sich beim Tofu um Menschenfleisch handelt, um lauter hingerichtete Chinesen und Nordkoreaner, hat das schließlich weder Amnesty International aufgeregt noch den Konsumentenschutz.

Doch jetzt, wo ich die dramatischen Auswirkungen des Sojaanbaus auf die Kuhpopulation dargelegt habe, hat mir eine Dame vom Tierschutzverein ein besorgtes Mail geschickt. (Mich hat der Tod von Bambis Mama ja auch mehr mitgenommen als der vom Winnetou.) Meine Frage ("Und was machen wir dann mit den vielen Kühen?") wäre "rhetorisch". (Meint sie: für’n Arsch? Ach so: rhetorisch, nicht rektal.) Weil es eh nie gelingen wird, aus allen Leuten Vegetarier zu machen. "Bedenklicher finde ich aber, dass Sie behaupten, Kühe wären dann arbeitslos und damit zwecklos und würden aussterben. Haben Tiere ohne konkreten, direkt erkennbaren Nutzen für den Menschen keine Lebensberechtigung für Sie?"

Schon. Und ich drücke den Kühen natürlich ganz fest die Daumen, dass man sie, sollte die Menschheit sie einmal nimmer als Lebensmittel, sondern als Lebewesen einstufen, nicht einfach ins Tierheim steckt. Es wird sich ja wohl in irgendeinem Regenwald eine Lichtung finden, wo man sie auswildern kann. Oder sie kriegen Asyl in Indien. Weil wir können entweder den Kopf in die Wand stecken oder wir packen die Kuh beim Euter. Und schleifen das Problem beherzt zu unseren entferntesten Nachbarn. (Tofuzius sagt: "Wenn du merkst, dass du eine tote Kuh melkst, geh lieber in den Supermarkt!" Diese Weisheit hat er bestimmt von den Dakota-Indianern geklaut: "Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!") Doch damit es gar nicht erst so weit kommt, tu ich das einzig Vernünftige, um den Kühen das Überleben zu sichern: Ich esse sie. Denn eine Kuh ist wie ein Auto. Mit dem muss man ja auch fahren, sonst ist die Batterie bald leer. Wahrscheinlich gibt’s beim McDonald’s deshalb grad Gutscheine für Burger. Wegen dem Artenschutz.

Und das Baumsterben ist der Grund, warum ich mein Telefonbuch nicht abbestelle. Das Telefonbuch gehört ja eigentlich verboten. Wegen seines brisanten Inhalts: Papier. Gut, das trifft auf die meisten anderen Bücher genauso zu, aber die muss man nicht nach einem Jahr wegschmeißen, weil sie abgelaufen sind. Und dem Papier gehen schön langsam die Bäume aus. Weil man aus ganzen Dschungeln Essstäbchen macht oder den Platz halt für Wichtigeres braucht (Sojafelder, Rinderweiden . . .). Nach jedem Telefonbuch nehm ich mir vor: Das war das Letzte. Großes Wiendianer-Ehrenwort! Und nachher schaff ich’s wieder nicht. Nein, nicht aus Eitelkeit (weil ich im Wälzer vorkomm, auf Seite zwölf - he, ich lauf nicht erst unter ferner telefonierten!). Vielmehr leiste ich meinen Beitrag zur Rettung der Wälder. Moment: Werden dort nicht die armen Rehlein von bösen Jägern totgeschossen? Auf einmal hab ich ein schlechtes Gewissen. Als hätt ich Bambis Mama höchstpersönlich mit meinem Telefonbuch erschlagen. Die Telefonbücher müssen weg. Bitte, EU! Dann ist die Mama vom Bambi wenigstens nicht umsonst gestorben.