Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Unpräzise Zeitungsberichte sorgen manchmal für lang anhaltende Verwirrung. Unlängst meinte mein Freund Klaus bei einem bis dahin friedlichen Tischgespräch: "Was sagt ihr dazu: Die Universität Leipzig hat das generische Femininum beschlossen!" Der lebenslustige Pensionist schaute kurz in die Runde und setzte dann sichtbar erregt fort: "Stellt euch vor, dort gelten jetzt Bezeichnungen wie ,Universitätsprofessorin‘ auch für Männer. ,Guten Tag, Herr Professorin!‘ Ist das nicht furchtbar? Da haben wieder ein paar Feministinnen die Welt auf den Kopf gestellt!"

Tina, eine engagierte AHS-Lehrerin, widersprach ihm heftig. "Es ist ein Faktum: Die deutsche Sprache ist sexistisch." Sie untermauerte das mit folgendem Satz: "Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts schrieben Mathematiker die ersten Computerprogramme." Und dann die provokante Frage an Klaus: "Wenn du das hörst: Hast du das Gefühl, dass bei der Pluralform ,Mathematiker‘ auch Frauen gemeint sind?"

Dieser ging in den Angriffsmodus: "Weil es wahrscheinlich Männer waren, die erstmals Computerprogramme geschrieben haben, ist doch klar!"

Jetzt ließ Tina die Falle zuschnappen: "Du alter Chauvi! Eine Frau hat diese Pionierleistung vollbracht! Sie hieß Ada Lovelace, war die Tochter von Lord Byron und schrieb ein Programm für eine mechanische Rechenmaschine, die allerdings nie in Betrieb ging. Trotzdem gilt sie als die erste Programmiererin der Welt - noch vor dem ersten männlichen Kollegen."

Am nächsten Tag rufe ich die Meldungen aus den deutschen und österreichischen Zeitungen im Internet ab. Dabei entsteht tatsächlich der Eindruck, dass die Leipziger Universität für den gesamten Schriftverkehr das generische Femininum eingeführt hat. Erst eine Anfrage bei der Pressestelle klärt den Sachverhalt auf.

Es ging um die neue Grundordnung der Universität, eine Art Satzung, die die Aufgaben der Gremien regelt. Die Änderung ist im vergangenen August in Kraft getreten und hat viel Staub aufgewirbelt - weil es dort beispielsweise heißt: "Gastdozentinnen sind in ihrem Fachgebiet anerkannte in- oder ausländische Wissenschaftlerinnen ..." Die Männer sind in den femininen Formen stillschweigend inkludiert.

Die Pressedame der Universität weist mich darauf hin, dass die neue Textierung auf Antrag eines Physikprofessors erfolgte. Ihm gingen Schreibungen mit Binnen-I (DozentInnen) und mit Schrägstrich (Dozenten/innen) so auf die Nerven, dass er meinte: "Dann verwenden wir gleich die weiblichen Formen!" Der erweiterte Senat hat daraufhin den Beschluss gefasst, in der Grundordnung ausschließlich feminine Personenbezeichnungen zu gebrauchen.

Das war alles. Wenn der Rektor oder der Prorektor ein Mann ist, dann wird er auf der Website weiterhin als Rektor oder Prorektor geführt, nicht als Rektorin oder als Prorektorin. Auch beim Schriftverkehr hat sich nichts geändert. Was bleibt, ist ein demonstrativer Akt, der keine praktischen Auswirkungen hat. Klaus kann beruhigt sein.