So, jetzt hab ich wirklich lange genug gewartet, dass sich endlich irgendwer über dieses sexistische Werbeplakat aufregt (oder dass es von selber abfällt). Ich war ohnedies sehr geduldig. Schon vor Monaten ist es mir nämlich aufgefallen, in der U4-Station Friedensbrücke, und ich hab hingeschaut wie von der Tarantel ins Aug gestochen. (Wenn Blicke Papier zerreißen könnten. . .)

Eigentlich müsste der Verteidigungsminister als Buße (weil das immerhin sein Plakat ist: "Zukunft beim Heer!") am Samstag, dem Weltfrauentag, 100 Liegestütze machen. Zu Füßen von der Heinisch-Hosek (der Feministerin). Aber vielleicht könnte er wenigstens so taktvoll sein und ein paar GrundwehrdienerInnen vorbeischicken, die die Reklame zumindest am 8. März verhüllen. Tschuldigung: Grundwehrdienerinnen gibt’s anscheinend nur im Österreichischen Wörterbuch, nicht beim Österreichischen Bundesheer. Im richtigen Österreich gilt die allgemeine Wehrpflicht und die Frauen gehören eben nicht zur Allgemeinheit.

Auf dem Plakat bemüht man sich jedenfalls sehr um die weiblichen Formen. (Äh, die Soldatinnen haben viel Holz vor der Kaserne?) Bei den Berufsbezeichnungen! Und wie leicht kann man da ins Puderdöschen treten. (Die weibliche Form von Arzt? - Krankenschwester. Und von Pilot? - Stewardess.) Nein, die Militärärztin sieht nicht aus wie eine Tussi aus einer Doktorspielphantasie. Sie ist eh ein Mann. (Freilich ein geschlechtsneutraler, weil drunter steht: "Militärarzt, Militärärztin." Ein Symbolfoto.) Und die "Pilot, Pilotin" (diesmal eine geschlechtsneutrale Frau) ist nicht angezogen wie eine Kellnerin der Lüfte. Die kleine Leonie (Symbolname) wird auf die Frage der Kindergartentante (Symbolgeschlecht): "Na, was willst’n später einmal werden?", also wahrscheinlich nicht antworten: "Stewardess in einem Eurofighter."

Wäre ich eine Analphabetin, wär ich total zufrieden. Optisch kommen die Frauen besser weg als ihre Kameraden. (Praktiziert der Typ mit der Schuhcreme im G’sicht dieses rassistische "Blackfacing"? Ang’schmiert ist er ja wie der Othello. Wobei: Das ist eher ein Dunkelgrün. Ach, der spielt mit dem Feind, in einem Freundschaftskriegsspiel, sicher nur "Wer hat Angst vorm dunkelgrünen Mann?". - Niemand!" - "Und wenn er kommt?" - "Dann laufen wir davon!") Aber ich kann halt lesen: "Einzigartige Chancen in vielfältigen Berufen. Für Frauen und Männer. Offizier, Unteroffizier, Soldat, 28 Lehrberufe, Militärarzt, Militärärztin, Pilot, Pilotin, Soldatin." Typisch. Die Führungspositionen hat man "vergessen", ins Weibliche zu übersetzen. Okay, man muss nicht jedes Wort auf die Waagina legen ("McDonald’s/Daisy’s"). "Frau Hauptmann" klingt allerdings blöd. Wie "Fräulein Ober".

Die Zivilisten sind Geschlechtsumwandlungen gegenüber weitaus aufgeschlossener. Das Österreichische Wörterbuch (gut, das neigt zur Übertreibung: "Grundwehrdienerin") verzeichnet eine "Müllfrau", eine "Straßenkehrerin" (nicht, dass mir je eine von den beiden begegnet wäre), und der Mann ist endlich gleichberechtigt: "Kindergartenonkel", "Kosmetiker", "Prostituierte, der", "Putzmann". He, den Putzmann kenn ich persönlich! Den hab ich durch den Spion beobachtet, wie er die Stiege vor meiner Tür saubergewischt hat.