Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Unlängst habe ich hier von einer privaten Diskussion über das generische Femininum berichtet. Mein Freund Klaus kritisierte, dass die Universität Leipzig nicht nur eine Frau, sondern auch einen Mann als "Universitätsprofessorin" bezeichnet, und zwar in ihrer Satzung. Tina fand das ganz in Ordnung. Dadurch würden die Frauen sichtbar gemacht werden.

Aber warum in die Ferne schweifen? "Wisst ihr, was auf den Plakaten zur Arbeiterkammerwahl steht?", fragte Klaus. "RUDI KASKE. SOZIALDEMOKRATISCHE GEWERKSCHAFTERINNEN! Ist Rudi Kaske eine Frau?" - "Das passt schon", meinte Tina. "Auch in den Radiospots ist es so zu hören. Gut, es könnte auch ein Binnen-I sein. Aber bei der Schreibung mit Großbuchstaben und in der gesprochenen Form kannst du zwischen Binnen-I und generischem Femininum nicht unterscheiden."

Ich habe versucht, die erhitzten Gemüter mit dem Argument zu beruhigen, dass es sich um Einzelfälle handelt: bei Wahlen, bei Abstimmungen etc. Das Binnen-I ist so gut wie tot. Es hat sich in der öffentlichen Kommunikation nicht durchgesetzt, weil es nicht praktikabel ist. Keine Zeitung mit nennenswertem Leserkreis "gendert". Nur die Unis, die Volkshochschulen und ein paar andere öffentliche Einrichtungen quälen sich damit herum. Das generische Femininum würde es noch schwerer haben.

Anschließend ging es um die Frage, wie sexistisch die deutsche Sprache ist. Ich zitierte einen jungen Universitätsprofessor aus Berlin. André Meinunger vertritt die Auffassung, dass der Singular männerfreundlich ist, der Plural frauenfreundlich. Das lässt sich gut argumentieren. Hier ein Beispiel, mit dem ich mich zuletzt herumgeschlagen habe. "Ada Lovelace, die Tochter von Lord Byron, gilt als die erste Programmiererin der Welt." War sie nur die erste Frau? Haben vor ihr schon Männer ein Programm für eine mechanische Rechenmaschine geschrieben? Nein! Neuer Formulierungsversuch: "Ada Lovelace gilt als der erste Programmierer der Welt." Das klingt seltsam. Dritter Versuch: "Ada Lovelace gilt als die erste Programmiererin der Welt - noch vor dem ersten männlichen Kollegen." Es ist nicht einfach, den Sachverhalt eindeutig und verständlich darzustellen.

Ein weiteres Beispiel: Ein Vortragender sagt vor einem Publikum, bestehend aus Frauen und Männern: "Ist hier jemand, der mir diese Frage beantworten kann?" Wieso "der" und nicht "die"? Geht er davon aus, dass nur die Männer die Antwort wissen? Wenn der Vortragende sprachsensibel ist, wird er es anders formulieren: "Kann mir jemand diese Frage beantworten?"

Im Plural regiert hingegen immer "die" - egal ob es sich um Männer, Frauen oder um beide handelt. "Alle, die die Antwort wissen, mögen die Hand heben!" Obwohl der Plural des bestimmten Artikels formengleich mit dem Femininum Singular ist, fühlen sich auch die Männer angesprochen.

Damit ist klar: Die deutsche Sprache ist nicht sexistisch. Einmal bevorzugt sie die Männer, und einmal bevorzugt sie die Frauen.