Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Es war eine Idee des damaligen Verkehrsministers Rudolf Streicher. Nach dem Vorbild anderer Länder wollte er von schwarzen Nummerntafeln auf weiße umstellen - aus Sicherheitsgründen. Reflektierende weiße Nummerntafeln mit schwarzer Schrift sind nachts besser zu erkennen als schwarze mit weißer Schrift.

Als der Maler Friedensreich Hundertwasser die schwarzen Nummerntafeln zu einem wichtigen Merkmal der österreichischen Identität hinaufstilisierte und gegen die geplanten weißen zu Felde zog, schien das Projekt ins Wanken zu geraten. Da kam dem Verkehrsminister der Gedanke, gleichzeitig Wunschkennzeichen einzuführen. Wer zur Behörde pilgert und einen Obulus bezahlt, bekommt ein Kennzeichen seiner Wahl - sofern es nicht vergeben ist.

Es gibt Autofahrer, die sich damals als Wunschkennzeichen ihre ehemalige dreistellige Nobelnummer gewählt haben und noch heute damit stolz herumfahren.
Andere versuchen ihre Initialen, ihr Geburtsjahr, ihren Vornamen oder Spitznamen in ein Wunschkennzeichen hineinzubringen.
Mir gefällt das Konzept: Wer sein Auto individualisieren will, der zahlt. Wer das Wunschkennzeichen für eine Deppensteuer hält, der lässt sich vom Computer eine bunt zusammengewürfelte Kombination aus Buchstaben und Ziffern auswerfen. Interessant ist, wie sehr wir uns an die weißen Kennzeichen gewöhnt haben. Hundertwasser wird sich zwar im Grab umdrehen, aber ich kann nicht umhin festzustellen, dass seine damalige Kampagne für den Erhalt der schwarzen Kennzeichen heute merkwürdig aussieht. Natürlich bemühen sich die Behörden, Buchstabenkombinationen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu sperren. So werden Kennzeichen mit SS (Schutzstaffel), HH (Heil Hitler) oder auch deren Verschleierung mit 88 (H ist der achte Buchstabe im Alphabet) nicht zugelassen.

Vor kurzem hat sich ein Grazer an dem Kennzeichen LMAA gestoßen. Als er am Heck eines Autos diese Buchstaben sah, fühlte er sich verhöhnt und warf der Behörde eine Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht vor.
Wir haben es hier mit einem Euphemismus durch Abkürzung zu tun. Nach dem gleichen Prinzip erfinden Jugendliche neue Kürzel und popularisieren sie. So steht beispielsweise AFH für Arsch frisst Hose - wenn sich der Stoff in die Gesäßspalte hineinzieht. Das Gegenstück heißt MFH - na Sie wissen schon.

SaSaLa steht in Norddeutschland für Samensammellappen, er wird nach dem GV verwendet - ein Kürzel, das stark angegraut ist.
In der Schweiz dient LEO als Kurzform für Lämmer-Erzeugungs-Organ, dieses ist wiederum ein Ersatzwort für Schafseckel - ein böses Schimpfwort. Um das zu verstehen, muss man um die Ecke denken.

Verhüllt wird Fäkales und Sexuelles, aber man will trotz Verhüllung verstanden werden. Eine Umfrage in meinem Bekanntenkreis ergab, dass viele mit LMAA nichts anfangen können. Das wird den Besitzer dieses Kennzeichens ärgern. Andere meinten, das Kürzel sei ein Symbol dafür, wie heutzutage die
Menschen miteinander umgehen, vor allem im Straßenverkehr.