Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Groß war die Aufregung, als das Österreichische Normungsinstitut den Entwurf neuer Richtlinien für die Textgestaltung zur Begutachtung ausgesendet hatte. Damit werde den geschlechtsneutralen Formulierungen ein Riegel vorgeschoben, meinten die Vertreter einer feministischen Linguistik.

Mitnichten. Erstens hat es sich nur um einen Entwurf gehandelt. Nach dem eben abgeschlossenen Begutachtungsverfahren werden sich die Kommissionsmitglieder erneut zusammensetzen und die Reaktionen aufarbeiten. Zweitens macht in diesem Entwurf das geschlechtsneutrale Formulieren nur einen ganz geringen Teil aus. Auf rund 90 Seiten finden sich vor allem Vorschläge zur Abfassung von Geschäftsbriefen, zur Schreibung von Lebensdaten, Streckenabschnitten und vieles mehr. Drittens kann mit der Önorm das Binnen-I weder vorgeschrieben noch verboten werden. Warum?

Das Binnen-I wird im amtlichen Regelwerk nicht erwähnt. Im "Österreichischen Wörterbuch" (ÖWB) findet sich dazu der salomonische Satz: "Daraus kann aber nicht geschlossen werden, dass der Gebrauch fehlerhaft ist." Mit anderen Worten: Das Binnen-I ist weder "richtig" noch "falsch". Außerdem werden im ÖWB noch sechs weitere Möglichkeiten angeführt, Personen beiderlei Geschlechts zu kennzeichnen: Schreibungen mit Schrägstrichen und mit Klammern. Abschließend wird darauf hingewiesen, "dass die einzelnen Möglichkeiten der Darstellung unterschiedlich bewertet werden."

Der Önorm-Entwurf weicht von dieser neutralen Haltung in einigen Sätzen ab. So heißt es dort, dass den Lesern nicht ein "Buchstabensalat" präsentiert werden darf - "mit der Aufgabenstellung, sich selbst die passenden Teile zusammenzusuchen". Das sei "weder für die weibliche noch für die männliche Seite ein Zeichen von Wertschätzung". Solche Polemiken wird man sich in der Endfassung wohl sparen.

Ich bin dafür, dass Frauen in Stellenausschreibungen sichtbar gemacht werden. Im Gegensatz zur Kommissionsvorsitzenden Walburg Ernst ("Wiener Zeitung"-Interview vom 19. März) bin ich der Meinung, dass sich Frauen nicht automatisch angesprochen fühlen, wenn "ein Taxifahrer" oder "ein Automechaniker" gesucht wird. Auch jede wahlwerbende Partei sollte sich "an die Wählerinnen und Wähler" wenden.

Eine andere Sache ist das generische Femininum, das beispielsweise Luise Pusch, die Grande Dame der feministischen Linguistik, vertritt. In einer ersten Phase sollen die Männer mit "Herr Lehrerin" angesprochen werden, bis sie ein Problembewusstsein entwickeln. Dann soll die weibliche Endung "-in" abgeschafft und jede Person ins Neutrum gesetzt werden: "das Lehrer".

Den ersten Schritt hat der SPÖ-Spitzenkandidat bei den EU-Wahlen bereits vollzogen. Auf seiner Facebook-Seite, betreut vom EU-Wahlkampfteam der SPÖ, steht: "Eugen Freund. PolitikerIn". Da in der Facebook-Schrift der Großbuchstabe I mit dem Kleinbuchstaben l ident ist, dachte ich zunächst an "Politikerl". Dann fiel mir ein, dass er ja auch seinen Namen feminisieren könnte: Eugenia Freundin.