Unlängst ist ein Mail in der Redaktion eingelangt: "Prüfung, Untersuchung und Test reichen nicht. Wir brauchen auch noch Testung!" "WZ"-Leser Werner Gruber aus Wien-Hadersdorf wollte wissen, was ich von diesem Wort halte.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Test und Testung. Brauchen wir beides?

Wir haben es hier mit dem Suffix -ung zu tun. Dieses dient zur Bildung von abstrakten Substantiven: Aus bestrafen wird Bestrafung, aus berühren wird Berührung.

Substantive mit -ung sind ein heißes Thema. Das liegt daran, dass dieses Suffix überaus produktiv ist. Oft wird daher gegen die "Verungerung" der deutschen Sprache gewettert, es wird empfohlen, Wörter mit -ung zu vermeinden - wo es nur geht. Statt "die Meinungsforscher haben eine Erhebung durchgeführt..." solle man schreiben: "die Meinungsforscher haben erhoben..."

Es stimmt: Eine Anhäufung dieser Substantive ist nicht schön, sie gelten als Wesensmerkmal des Amtsdeutsch. Aber es wäre dumm, Wörter mit -ung generell abzulehnen. So kann man das Wort Rechnung sehr wohl mit reinem Gewissen verwenden. Was wäre denn auch die Alternative? Die Deutschen sagen meistens Quittung - schon wieder ein Wort mit -ung!

Vereinzelt dient das Suffix -ung auch dazu, aus einem Substantiv ein anderes zu bilden. Aus Stall wird Stallung. Eine Stallung ist ein Stallgebäude für größere Tiere wie Pferde - kein Kaninchenstall. Offensichtlich war es ein Bedürfnis der Sprecher, nach der Größe zu unterscheiden.

Die sogenannten -ung-Substantivierungen können aber noch viel mehr. Sie dienen beispielsweise dazu, ein Resultat abzubilden: "Die Übersetzung umfasst 500 Seiten." Gleichzeitig kann dasselbe Wort auch einen Prozess beschreiben: "Die Übersetzung des Textes hat eine Woche lang zwei Sprachprofis ganztägig beschäftigt."

Jetzt sind wir bei des Pudels Kern angelangt. Ich erinnere mich, dass ich mich vor einiger Zeit über ein Schild bei einem Autobahntunnel gewundert habe: "Bei Stauung Motor abstellen!" Ein Stau ist das Resultat einer Verkehrstörung, zum Beispiel eines Unfalls. Eine Stauung ist der Prozess der Staubildung, zum Beispiel bei Verkehrsüberlastung. Zwischen Stau und Stauung ist also ein großer Unterschied. Man sollte bei Stauung auf den Abstand zum Vordermann achten, aber keinesfalls den Motor abstellen. Sonst gibt es garantiert einen Stau.

Ein ähnlicher Unterschied hat sich auch zwischen Test und Testung herausgebildet. Das "Große Wörterbuch der deutschen Sprache" aus dem Duden-Verlag umschreibt Testung so: das Testen, das Getestetwerden. Das Wort dient also eher dazu, den Prozess abzubilden. "Die weiteren Testungen mit den Wirkstoffen werden einige Zeit in Anspruch nehmen." Das wäre ein klassischer Satz für eine richtige Verwendung. Aber ein Student sollte sagen: "Ich habe den Test mit Erfolg bestanden."

Test und Testung sind also nicht ein und dasselbe. Wir werden in bestimmten Fällen mit Testungen leben müssen. Aber auch hier kommt es auf den richtigen Gebrauch an, die zwei Wörter sind nicht beliebig austauschbar.