Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Als ich ein junger Journalist war, kam es aufgrund eines technologischen Wandels zu einer einschneidenden Veränderung in der Zeitungsproduktion. Früher hatte der Journalist einen Artikel in die Schreibmaschine getippt oder einer Sekretärin diktiert. Anschließend ging der Text in Papierform an den Setzer. Dieser stellte mit bleiernen Lettern die Druckvorlagen her.

Aber die Setzer waren nicht nur technische Facharbeiter. Einige kannten sich in der deutschen Sprache so gut aus, dass sie Journalisten auf Rechtschreibfehler aufmerksam machen konnten. Den Journalisten war das recht. Sie wussten: Es gibt nach mir noch eine Kontrollinstanz.

Mit der Computerisierung der Zeitungsproduktion wurden die Setzer überflüssig. Seither sitzen die Journalisten vor einem Bildschirm, tippen den Text in eine Tastatur und kümmern sich auch um das Layout. Die Kontrolle des Setzers gibt es nicht mehr.

Das hat zu Qualitätseinbußen geführt. So hätten Setzer früher jeden "daß/dass-Fehler" entdeckt und korrigiert. Sie hätten sich auch darum gekümmert, dass am oberen Ende der zweiten Spalte nicht eine halbe Zeile hängen bleibt. Sie nannten das "Hurenkinder". Diese stören die Optik, sie galten im Bleisatz als unfein. Heute, im computerisierten Zeitungssatz, regen "Hurenkinder" kaum noch auf.

Jetzt steht eine weitere industrielle Revolution bevor. Triebfeder ist das Internet. Praktikable Geschäftsmodelle für den Verkauf von content im Internet, also von Inhalten, sind noch nicht erfunden. Die klassischen Medien kämpfen mit Umsatzeinbußen, sie flüchten sich in Rationalisierungsmaßnahmen. Gespart wird beim Personal. So werden Redaktionen von bis dahin eigenständigen Zeitungen zusammengelegt, sofern sie denselben Eigentümer haben. Und die Online-Redaktionen werden mit den Print-Redaktionen verschmolzen. Im ORF sollen alle Journalisten unter einem Dach untergebracht werden und synergetisch zusammenarbeiten.

Content Provider heißt das neue Zauberwort. Journalisten würden dann vielfältig verwertbare Inhalte herstellen. Diese würden über verschiedene Kanäle verbreitet werden: einmal in einer Tageszeitung, einmal in einem Wirtschaftsblatt, einmal in der Printausgabe einer Tageszeitung, einmal in deren Online-Version, einmal im Fernsehen, einmal im Radio.

Das ist die Vision der Manager. Online-Journalisten ticken allerdings anders als Printjournalisten, eine Hörfunkdokumentation folgt anderen Gesetzen als eine Fernsehdokumentation. Wenn verschiedene Welten aufeinandprallen, werden kreative Kräfte frei - sagen die einen. Die anderen meinen: Das Wort Content Provider steht für das Ende des Qualitätsjournalismus.

Auf einer amerikanischen Website für Journalisten habe ich einen Beitrag eines zufriedenen Content Providers gefunden. Seine Argumentation lief sinngemäß darauf hinaus: Durch die neue Entwicklung gehen in den Medien zwar viele Arbeitsplätze verloren. Aber die Journalisten brauchen keine Angst zu haben - sie können als Freiberufler bei jenen Handels- oder Produktionsfirmen Geld verdienen, die in immer größerem Umfang ihre Botschaften im Internet streuen. Auch das ist erschreckend.