Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Der von einem Schlagersänger ausgelöste Streit um den Text der Bundeshymne steht mit der Genderdebatte in einem direkten Zusammenhang - in beiden Fällen geht es darum, Frauen sichtbar zu machen.

Für mich ist das ein wichtiges Anliegen. Aber was sagt das zuständige Bundesministerium für Bildung und Frauen zu diesem Thema? Auf der Website finde ich die Broschüre "Geschlechtergerechter Sprachgebrauch 2014" mit Empfehlungen und Tipps.

Das Einfachste und überhaupt nicht kontroversiell sind die Paarformen, wobei die feminine Form an erster Stelle stehen sollte: "die Studentinnen und Studenten . . .". An Stelle der Konjunktion kann auch ein Schrägstrich verwendet werden: "Die Studentinnen/Studenten . . ." Bei weiteren Verkürzungen ist zu beachten, dass der Ausdruck auch nach Weglassen des Schrägstriches samt der nachfolgenden Endung noch einen Sinn ergibt. Forscher/innen ist korrekt. Nicht korrekt ist Beamt/in oder Ärzt/in.

Das Binnen-I wird als Variante dieser Sparschreibung gesehen. Im Wortinneren findet sich an Stelle des Schrägstriches ein großes I: "die MitarbeiterInnen . . ." Auch hier muss die Weglassprobe funktionieren.

Eleganter erscheinen mir die anschließend dargestellten
geschlechtsabstrakten Ausdrücke: "Personen, die am Seminar teilgenommen haben, bekommen eine Teilnahmebestätigung." Nach dem gleichen Muster funktionieren die Ersatzwörter "das Mitglied, der Mensch, der Gast, das Kind, die Haushaltshilfe, die Leitung, der Lehrkörper, die Hilfskraft, die Belegschaft". Ein Schreibfehler ist den Verfassern bei dem Beispiel mit vorangestelltem Adjektiv unterlaufen: "die weibliche Abgeordnete". Es genügt "die Abgeordnete". Nur im Plural wäre das Adjektiv sinnvoll: "die weiblichen Abgeordneten".

Die substantivierten Formen des Partizips Präsens werden nicht empfohlen, und das ist gut so: die Lehrenden, die Unterrichtenden etc. Sie sind als Berufsbezeichnungen untauglich, drücken aus, dass jemand gerade lehrt oder gerade unterrichtet.

Zum Abschluss kommt die Broschüre zur hohen Schule des geschlechtergerechten Formulierens: die Umformulierungen. Satzbildungen mit unpersönlichen Pronomen wie "wer, alle, diejenigen, jene" usw.: "Wer ein Stipendium beantragt, muss einen überdurchschnittlichen Studienerfolg nachweisen." Statt: "Der Antragsteller eines Stipendiums muss einen überdurchschnittlichen Studienerfolg nachweisen." Oder die Umschreibung mit Infinitiv: "Der Antrag ist vollständig auszufüllen." Statt: "Der Antragsteller hat den Antrag vollständig auszufüllen." Oder die direkte Anrede: "Bitte beachten Sie die Hinweistafel!" Statt: "Der Teilnehmer hat die Hinweistafel zu beachten." Oder Passivformen: "Ein Personalplan wird von der Personalabteilung erarbeitet." Statt: "Die Mitarbeiter der Personalabteilung erarbeiten einen Personalplan." Oder Umschreibung mit Adjektiven: "Juristischer Rat wäre einzuholen." Statt: "Der Rat eines Juristen wäre einzuholen."

Die Tipps und Empfehlungen sind vor allem für den amtlichen Bereich bestimmt. Schon in den Zeitungen ist der Schrägstrich oder das Binnen-I verpönt - weil die Lesefähigkeit auf der Strecke bliebe.