Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Die "Freunde der österreichischen Mehlspeiskultur" möchten - so liest man - Kaiserschmarrn, Sachertorte, Apfelkuchen und Ähnliches von der Unesco schützen lassen.

Denn - so die Begründung - "unser süßes kulinarisches Erbe gehört zu uns wie der Wiener Walzer." Aber warum schützt man diesen Mohnstrudel des Dreivierteltaktes nicht auch gleich? Der bleibt völlig ungeschützt und kann von jedem beliebigen Dahergelaufenen (ob jetzt aus der Türkei, Schwarzafrika oder - welch Horrorvorstellung! - aus Deitschland, also der Piefkei) zertrampelt, falsch getanzt, ohne Grandezza geschlurft werden.

Insofern müssten die Werke von Strauß Vater und Sohn dringendst zu Weltkulturerbe erklärt werden. Aber warum dann da aufhören? Es gibt noch allerlei schützenswerte Dinge in diesem Land: Was ist mit dem Wiener Raunzen? Was mit den feinen Unterschieden zwischen Raunzen, Seiern, Sudern und Motschkern? Alles schützenswert. Genauso wie die Gnackwatschen, das Am-Schmäh-Halten, das B’scheid-Stessen und die Winterkirschen.

Aber warum dann nicht auch das Fluchtachterl und das Reparaturseidl schützen? Und natürlich die Eitrige, den g’füllten Ärmel und den Bugl.

Nein, hier darf nicht an Schutz gespart werden! Dieses ganze Land ist doch unglaublich schützenswert. Allein deshalb, weil sich so viele darin immer verfolgt fühlen (meistens von der Ostküste, den linkslinken Gutmenschen, der politisch-korrekten Elite oder diesen ausländischen EU-Terror-Wahnsinn-Zionisten-Pleite-Griechen-Anarchos oder sonstwem, der einem einfach den Spaß verdirbt, wenn man gerade eine Runde in seinen rechts-rechten-rückwärtsgewandten Ressentiments baden gehen will.) Und - das ist wohl klar - wer sich so verfolgt fühlt, muss geschützt werden. Egal, wie die Lage tatsächlich ist. Eine anständige und ehrliche xenophobe Paranoia muss doch als Beweis der Bedrohung reichen.

Und wenn nicht, dann holen wir unsere Tirolerschützen (die man im Übrigen auch gleich schützen lassen sollte) und zeigen am Schützenfest, was wir unter "schützen" so alles verstehen.

Warum lassen wir eigentlich nicht das ganze Land gleich von der "Gesellschaft für bedrohte Völker" regieren? Die wissen nämlich, wie
es uns wirklich geht. Wir brauchen ein Artenschutzprogramm für Österreicher! Unser natürlicher Lebensraum muss garantiert werden. Wir fordern ein Schnitzl-Steffl-Skifahr-Bio-Reservat!

Denn wir fragen uns doch innerlich seit Jahren und Jahrzehnten: Wer schützt uns vor dieser Welt? Deshalb fordern wir einen eigenen Kontinent für uns, umgeben von tosendem Meer, damit man uns in Ruhe lässt. Aber warum so klein denken? Einen Planeten brauchen wir! Eine Terra Austria, die an privilegierter Stelle im Sonnensystem ihre Runden dreht. Wobei es natürlich noch besser wäre, wenn die Sonne sich um uns drehen würde. Das wäre unserer Bedeutung zumindest ein wenig angemessen.

Und wenn dann eines Tages ein Raumschiff mit einer hyperintelligenten außerösterreichischen Spezies Kontakt mit uns aufnimmt, dann werden wir sie empfangen mit Mehlspeisen, Trachtenjanker und Marillenschnaps und einem großen Schild, auf dem steht: "Schleichts eich!"