Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Werfen wir einmal einen Blick nach vorne. Einen Blick in die glorreiche Zukunft der Volkspartei und ihrer Parteivorsitzenden: 2017 wird Reinhold Mitterlehner, nachdem sein Versuch, die Partei "auf eine breitere Basis" zu stellen, an mangelnder Kooperation der Bundesländer gescheitert war, in einer Pressekonferenz entnervt das Handtuch werfen und so den Platz freimachen für den Hoffnungsträger des bürgerlichen Lagers: Sebastian Kurz. Der frischgebackene 31-jährige Parteichef fährt mit seinem "Volksmobil" während des kommenden Wahlkampfs durch die Bundesländer und schafft das scheinbar Unmögliche: Bei der Nationalratswahl bleibt die ÖVP über 20 Prozent. Mit einem "bei diesen Rahmenbedingungen großartigen Wahlergebnis" (ÖVP-Presseaussendung) zieht Kurz in die Regierungsverhandlungen mit der SPÖ. Nach deren Scheitern wirft er aber in einer Pressekonferenz entnervt das Handtuch und macht Platz für die erste Frau an der Parteispitze: Ursula Stenzl. Die Grande Dame der Bürgerlichkeit verspricht in ihrer Antrittsrede eine Oppositionspolitik der "konservativen Werte", führt den Lodenjankerzwang für ÖVP-Abgeordnete ein und wirbelt mit ihrer Ankündigung, "die heilige Messe zur wöchentlichen Pflichtveranstaltung" für Parteimitglieder zu machen, medial einigen Staub auf.

Nach drei verlorenen Landtagswahlen wirft sie allerdings in einer Pressekonferenz entnervt das Handtuch und macht Platz für Christoph Leitl. Der Langzeit-Präsident der Wirtschaftskammer verspricht, die "Wirtschaftskompetenz" seiner Partei zu stärken, muss aber nach einer verlorenen Nationalratswahl (Slogan: "Österreich braucht einen Leit(l)wolf", Ergebnis: 16,3 Prozent) aufgrund massiven Drucks aus den Bundesländern zurücktreten. In einer Pressekonferenz wirft er entnervt das Handtuch. Sein Nachfolger wird überraschend Hermann Maier.

Die ÖVP begründet diesen Schritt mit Maiers "Volksnähe" (schließlich hat er seit Jahren Werbung für die Raiffeisenbank gemacht), seine Verbundenheit mit der "Wertefamilie" der ÖVP (Testimonial für Raiffeisen) und seine enorme Medienerfahrung (TV-Spots für Raiffeisen). Maiers Versuch, die ÖVP als neue "Heimat"-Partei auszurichten (bundesweite Plakatkampagne unter dem Motto "Da wo wir sind, da sind wir!"), gilt nach zwei verlorenen Landtagswahlen als gescheitert und Maier wirft in einer Pressekonferenz entnervt das Handtuch. In die vorgezogenen Nationalratswahlen zieht die ÖVP erstmals mit einer Doppelspitze, um "zu zeigen, wie breit die Wählerbasis und Themenauswahl der Volkspartei ist" (ÖVP-Presseaussendung). Die beiden Kandidaten Andi und Alex fahren mit 11,8 Prozent ein "bei diesen Rahmenbedingungen großartiges Wahlergebnis" (Erwin Pröll) ein. Trotzdem werfen die beiden nach massiver Kritik aus den Bundesländern bei einer Kochshow entnervt das Küchentuch und machen Platz für das S-Börserl aus der Spar-Werbung, dem von allen Seiten der Partei große Wirtschaftskompetenz und Bürgernähe bescheinigt wird.

Kurz darauf erklärt die Raiffeisen Bank dieses für abgesetzt und lässt die Partei, die bei Umfragen bei
7 Prozent liegt, von einem Praktikanten ihrer PR-Abteilung leiten.

Politologen sehen die Volkspartei endlich "angekommen".