Wir haben insgesamt vierzehn Tiere: Kater und Katze leben mit uns fünf Menschen im Haus, während Hahn Fredi mit seinen elf Damen im Hühnerhaus logiert. Das ist die Theorie, denn in der Praxis versuchen die Hühner täglich, in unser Haus einzudringen. Steht die Kellertür offen, trippelt wenigstens eines hoch erhobenen Hauptes nach allen Seiten spähend hinein. Hühner sind die Tier gewordene Neugier.

Bleibt die Haustür längere Zeit offen, dann kommt Huhn Conny auch gerne einmal in die Küche, um herauszufinden, was die Katzen zum Frühstück hatten. Noch neugieriger als die weiße Sussex Conny ist nur noch ihre Cousine, die schwarze Sussex ohne Namen. Sie traf ich kürzlich in der Stube an. Sie stand unschlüssig auf einem Bein - auf dem braunweißen Lechtaler Teppich - und überlegte augenscheinlich, ob sie angesichts meiner Person in ungebührliche Eile verfallen solle. Das tat sie nicht, noch setzte sie, wie es der Hühner Art ist, beim Überlegen Kot ab.

Unsere Katzen finden Hühner im Haus übrigens mindestens so deplatziert wie mein Mann. Ich mag meine Hühner auch lieber im Garten, aber Katzen, die mir in Abständen Flöhe ins Bett bringen, sollten sich wegen einer Henne im Haus nicht so haben. Es ist grässlich, wenn ich spüre, wie ein Floh unter der Bettdecke mein Bein auf und ab läuft, doch meist erwische ich das Untier bald und zerquetsche es gnadenlos mit meinem Daumennagel.

Richtiggehend hysterisch wurde ich in diesem feuchten Sommer, als ich entdeckte, dass sich die rote Vogelmilbe im Hühnerstall explosionsartig vermehrt hatte. Denn dieses im Normalfall nahezu unsichtbar kleine weißlich-graue Tier färbt sich erst nach einer ordentlichen Blutmahlzeit rot und wird auch für unaufmerksame Hühnerhalter sichtbar.

Eines Tages also mir fiel der schmierig-graue, punktuell auch krümelige Belag auf den Holzbrettern im Stall auf. Als ich genauer hinsah, bemerkte ich, dass es da richtig wurlte. Nun wusste ich, weshalb die Hühner untertags mit geschlossenen Augen ruhend auf dem Rasen gesessen waren: Die Milben krabbeln nachts aus den Ritzen und quälen das Geflügel. Das juckt die Hühner nicht nur, sondern sie leiden unter Schlafmangel und Blutverlust. Nach der Mahlzeit verlassen die roten Vogelmilben ihren Wirt und verkriechen sich wieder. Sie sind sehr robust: Ein halbes Jahr ohne Nahrung macht ihnen ebenso wenig wie Frost. Erst bei minus 20 oder bei plus 40 Grad über einen längeren Zeitraum sind sie erledigt. Dafür legt so eine Milbe im Laufe ihres etwa sechs Wochen bis neun Monate (!) dauernden Lebens 300 Eier, die bei günstigen Bedingungen in einer Woche geschlechtsreif werden. Es ist ein Glück für uns Menschen, dass Ungeziefer mehrheitlich konservativ ist: Es zieht ungern zu neuen Wirten um.

Stefanie Holzer, geb. 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.