Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Als ich jung war, freuten wir uns über das weiß verpackte Album der Beatles. Das Cover wurde von dem britischen Pop-Art Künstler Richard Hamilton entworfen. Es zeigte nur die Worte "The BEATLES" - in Blindprägung auf weißem Grund. Eigentlich hätten wir das Album nach der Aufschrift der Hülle benennen sollen, aber wir redeten vom "White Album".

Als es die Beatles als Gruppe nicht mehr gab, spielte John Lennon das Lied "Imagine" ein. Es sollte das erfolgreichste seiner Solokarriere werden, die Friedensbewegung hatte eine Hymne. Das Video zeigte John Lennon, wie er in einem weißen Zimmer auf einem weißen Flügel spielte.

Aber das war es auch schon. Nach meinem Gefühl ist die Farbe Weiß dann in der Versenkung verschwunden, obwohl jeder mit der Symbolik etwas anfangen konnte: Weiß steht für Unsterblichkeit, Unendlichkeit, für Reinheit und für Unschuld, Hochzeit und Jungfräulichkeit. Wenn jemand eine weiße Fahne schwenkt, dann ist er bereit, die Kampfhandlungen einzustellen. Weiß ist daher auch eine Farbe des Friedens.

Seit einiger Zeit ist die Farbe Weiß wieder im Kommen. Immer öfter sehe ich weiße Smart Phones und weiße Tablets in den Händen von U-Bahn-Fahrgästen - obwohl die weißen Geräte manchmal eine
Spur teurer sind als die schwarzen. Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass eines Tages jemand mit einem weißen Handy glücklich sein wird?

Und die Autos! Ich bemerke, dass es immer mehr weiße Autos auf den Straßen gibt, von Kleinwagen bis zu SUVs. Auch in der Fernsehwerbung tauchen häufiger weiße Lackierungen auf - zum Beispiel in der Volkswagenwerbung. Matallic-Lackierungen in Braun- oder Grüntönen sind nicht mehr en vogue, auch Farben als eine Art Markenkennung haben ausgedient: Ein Mercedes musste silbergrau sein, ein Ferrari rot, ein Jaguar grün. Weiß ist bei Autos die neue Modefarbe. Ein weißer Mercedes, ein weißer Ferrari, ein weißer Jaguar? Das ist im Straßenverkehr keine Seltenheit. Es dient sogar der Verkehrssicherheit.

Obwohl man es aufs Erste nicht für möglich halten würde: Weißer Lack senkt die Unfallgefahr. Sogar Signalfarben wie Rot und Gelb sind schlechter zu sehen. Darüber sind sich die Wissenschafter einig, und die Automobilclubs posaunen es hinaus. Helle Farben kommen in der Umgebung seltener vor und reflektieren Licht besser als dunkle Oberflächen. Schwarz birgt das höchste Risiko, auch Grau und Anthrazit sind nicht zu empfehlen.

Somit gibt es auch ein rationales Argument für die Farbe Weiß bei den Autolackierungen. Vorbei sind die Zeiten, als eher dunkle Farben mit merkwürdigen Fantasienamen gut ankamen: ein "Hurricane Grau", ein "Rich Oak Grün" zum Beispiel. Vielleicht wirken weiße Autos auch ein wenig größer als schwarze, mir kommt es so vor, aber ich kann es nicht mit wissenschaftlichen Daten untermauern. Wer sich weiß kleidet, der hat genug Geld, um sein Gewand regelmäßig in die Putzerei zu tragen. Weiß ist deshalb ein Statussymbol, vielleicht auch bei Autos.

Das Comeback der Farbe Weiß kann nicht übersehen werden. Aber die Farbe ist kommerzialisiert und ihrer Symbolik entkleidet, Weiß bedeutet weder Frieden noch Unsterblichkeit.