Die beiden von jahrzehntelangen Kriegswirren erschöpften Großmächte vermochten den Gotteskriegern aus der Wüste nichts mehr entgegenzusetzen: Man schrieb das Jahr 636, als die Araber zunächst die Armee des oströmischen Kaisers in Palästina und wenig später die persischen Streitkräfte in Mesopotamien, dem heutigen Irak, besiegten. Diese Ereignisse sollten die politischen Verhältnisse im Mittleren und Nahen Osten langfristig verändern und gleichzeitig das Zeitalter der Antike beenden.

Angekündigt hatte sich der Epochenwechsel schon zwei Jahrzehnte früher: Im Jahr 614 eroberten die Perser Jerusalem, wo sie die Überreste des Kreuzes Christi erbeuteten und als Trophäe nach Persien brachten. Diese Ereignisse erschienen vielen Zeitgenossen als Zeichen des nahen Endes des christlichen Kaiserreichs der byzantinischen Herrscher. Und tatsächlich verschlimmerte sich dessen Lage: 615 standen persische Truppen erstmals an der kleinasiatischen Küste gegenüber von Konstantinopel, 618 drangen sie in Ägypten ein, eroberten Alexandria und dann die ganze Provinz, die Kornkammer des Reiches.

Richtig brenzlig wurde die Lage für die Oströmer im Jahr 626, als die Awaren und die Perser gemeinsam ins Zentrum des byzantinischen Reiches vordrangen und Konstantinopel belagerten. Kaiser Herakleios war mit seiner Armee im Osten des Reiches, daher musste der Patriarch von Konstantinopel die Verteidigung der Hauptstadt leiten. Mit Erfolg: Der starke Befestigungsring Konstantinopels hielt der Belagerung stand und die oströmische Flotte sicherte sich die Vorherrschaft zur See; schließlich mussten die Angreifer unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Beflügelt durch diesen wichtigen Erfolg, ging Kaiser Herakleios im Osten in die Gegenoffensive und konnte die Perser ein Jahr später in ihrem Kernland besiegen. Der alte Perserkönig wurde gestürzt, und seinem Nachfolger blieb nichts anderes übrig, als den Byzantinern Frieden zu günstigen Konditionen anzubieten: Wiederherstellung der Vorkriegsgrenzen, Rückgabe aller Gefangenen und der verschleppten Schätze, darunter die Kreuzesreliquie.

Am 21. März des Jahres 630 trug der Kaiser selbst diese Reliquie zurück nach Jerusalem. Zur Erinnerung an diesen Triumph sowie die ursprüngliche Auffindung des Kreuzes durch Kaiserin Helena feiert die Kirche noch heute das Fest der Kreuzerhöhung. Dieses Ereignis fand in alle christlichen Chroniken des Orients Eingang, und auch in den Koran: In der 30. Sure wird auf die Ereignisse des Krieges zwischen Rom und Persien angespielt und der Sieg der christlichen Oströmer über die "heidnischen" Perser mit Hilfe Allahs prophezeit.

Mario Rausch, geboren 1970, studierte Klassische Archäologie und Alte Geschichte und lebt als freier Publizist in Klagenfurt und Wien.