"MySpace, Facebook und Twitter kommen und gehen, E-Mail wird bleiben." Das behauptet ausgerechnet die amerikanische Rockmusikerin Amanda Palmer, deren weltweite Popularität sich hauptsächlich auf ihr Engagement in sozialen Medien gründet. Aber vermutlich hat sie Recht. E-Mail ist unkaputtbar. Das erfährt man als diesbezüglich leidgeprüfter Journalist tagtäglich. Hier eine kleine Auswahl aus meinem elektronischen Briefkasten.

"Guten Tag Kundennr. 1531" - so werde ich in letzter Zeit vermehrt angesprochen. Und es folgt meist ein Angebot samt Link, den ich besser nicht anklicke, da sonst mein Mailaccount gekapert würde. Aber es geht auch eine Spur seriöser. Als "Herr Dr." oder "Herr Prof.", der ich beides (noch) nicht bin, werde ich praktisch jede Woche tituliert; zuletzt kam folgende Anrede, immerhin meinen richtigen akademischen Titel inkludierend: "Hallo Mag. Gerald!"

Mag. Gerald, was - zumindest ausgesprochen - schottisch oder irisch klingt, erfährt dann u.a die heißesten bzw. höllischesten News über das Finale des Wettbewerbs "Who Let The Wildsau Out?" in der "Hellsklamm". Irgendwo dort oder in der Nähe könnte auch der "Österreichische Meister im Sportholzfällen 2014" gekürt worden sein, über dessen Namen ich in einem anderen Mail informiert werde. Diese Namen klingen interessanter: "Conchita Wurst, Roland Düringer und Sebastian Kurz engagieren sich für Journalismus". Das nimmt man dankbar zur Kenntnis, mit diesen Unterstützern braucht einen um unsere krisengeschüttelte Branche nicht mehr bange zu sein.

Auch die Buchbranche geht neue Wege: Eine "Ganzbuchlesung mit Publikumsmassage" wurde neulich angekündigt. Da der Mühlviertelkrimi "Saugust" komplett vorgelesen zu werden drohte, wurde präventiv ambulante Hilfe versprochen: "Damit das Publikum die Marathon-Lesung verkraftet, wird ein Masseur unablässig durch die Reihen gehen und die Zuhörer abwechselnd massieren." Ob der Zugriff zu einer gelungenen Abwechslung führte, entzieht sich meiner Kenntnis. Genauso wie ich nicht weiß, ob die Handreichung auch bei der Präsentation des Buches "Märzveigerl und Suppenbrunzer" zur Anwendung gelangte. Oder bei jener der "Bananenblatt-Spezialausgabe Das große Fressen" (Bauchmassage?).

Dass mir als Glatzkopf "Quill Clips von Great Lengths", dem "führenden Anbieter von Echthaarverlängerung", angepriesen werden, freut mich ebenso wie die Bekanntgabe des neuen "Country Managers der Nilsfisk-Advance GmbH" und die nachträglichen Investitionswarnungen von "Aktienversenker.de". Dafür kann ich mit dem "Homöopathischen Pferdeseminar für Praktiker" leider wenig anfangen. Und auch die Nachfrage eines Kollegen bleibt mangels einschlägigen Güterbesitzes unbeantwortet: "Suche falschen Schnauzbart und prollig-protzige Goldkette für eine Mottoparty".

In größerem Kreise, nämlich in ganz Österreich, wurden in den letzten Wochen "Sportler mit Herz gesucht". Da würden mich freilich mehr diejenigen interessieren, die es ohne geschafft haben . . .