Insekten gehören an sich nicht zu den Tieren, die mein Herz höher schlagen lassen. Aber seit ich Dave Goulsons im Hanser Verlag erschienene Geschichte der Hummel mit dem Titel "Und sie fliegt doch" gelesen habe, bin ich ein feuriger Fan derselben.

Die Hummel ist ein in meinem Garten glücklicherweise häufig auftretendes, staatenbildendes Insekt, das zur Gruppe der Bienen gehört. Ich habe mir bisher keine Gedanken darüber gemacht, wie die rot, schwarz, weiß, orange und gelb gefärbten pelzigen Tierchen ihr Leben zubringen. Deshalb bescherte mir Dave Goulson, Professor an der Universität im schottischen Stirling, eine höchst lehrreiche und unterhaltsame Lektüre. Selbstironisch und anschaulich schildert er, wie anstrengend Forschung ist. Das begann schon mit den ersten Hummeln, die er als Knabe zu retten versuchte, indem er sie auf der Herdplatte trocknete. Doch auch später, als gestandener Professor, hatte er Fehlschläge und Irrtümer zu verdauen. Das normale Forscherleben besteht aus unglaublich vielen Kleinigkeiten, wie etwa der Vermessung von Saugrüsseln zum Nektarernten oder der Frage, wie Hummeln wissen können, ob es sich überhaupt lohnt, den Saugrüssel in eine Blüte zu stecken. Denn wenn eine Blüte Hummelbesuch hatte, ist für mindestens eine Stunde nichts zu holen.

Über die Hummel selbst habe ich auch viel gelernt: Alle Hummeln sterben im Herbst, nur die Königinnen überwintern und fangen im Frühling wieder an, einen Hummelstaat aufzubauen. Da die Hummel bekanntlich laut aerodynamischen Berechnungen gar nicht fliegen können kann, aber doch fliegt, braucht sie dafür nach der Winterruhe sehr viel energiereiches Futter, das sie in artenreichen Blumenwiesen finden könnte. Aufgrund der seit Jahrzehnten fehlgeleiteten Landwirtschaftspolitik sind solche Wiesen eine Rarität geworden. Ein wesentlicher Teil dieses kurzweiligen Buches ist daher der Frage gewidmet, was wir Gärtner pflanzen sollen, damit die Erd-, die Garten-, Baum- oder Ackerhummel und alle ihre Verwandten dauerhaft einen Raum zum Überleben haben. Die Palette reicht von Akeleien über Borretsch und Erbsen bis zu Ribiseln, Beinwell und Natternkopf.

Hummeln sind nicht nur possierliche Gartenbewohner, sondern auch unverzichtbare Helfer in der Landwirtschaft. Seit den 1980er Jahren arbeiten sie nicht nur in der freien Natur, sondern auch im Erwerbsgartenbau: Künstlich gezüchtete Hummelvölker werden zum Bestäuben von Tomaten eingesetzt. Die Hummeln sind nicht nur billiger und eleganter beim Bestäuben, als es Menschen waren, die früher mit einem Stäbchen von Staude zu Staude eilten und händisch die Befruchtung der Blüte herbeiführten, sondern die Tomaten selbst schmecken besser. Warum? Das wüsste ich zu gern!

Stefanie Holzer, geb. 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.