Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Voriges Jahr hat die Jury bei der Wahl zum "Wort des Jahres" danebengegriffen. Das Verb "frankschämen" wurde zur Abstimmung angeboten - und hat eine Mehrheit bekommen. Es war eine Abwandlung des Ausdrucks "fremdschämen", gemünzt auf Frank Stronach. Wer verwendet dieses Wort noch? Frank Stronach residiert wieder in Kanada, niemand schämt sich für ihn.

Heuer ist die Wahl auf ein Wort gefallen, das vermutlich bleiben wird. Das Adjektiv "situationselastisch" wurde an die erste Stelle gewählt. Verteidigungsminister Gerald Klug verwendete es beim Pressefoyer am 18. Februar - als er gefragt wurde, wann sich Kanzler oder Vizekanzler beziehungsweise ein Fachminister den Fragen der Journalisten stellen würden. Vermutlich wollte er sagen: Das ist themenabhängig. Oder: Das ist situationsbedingt. Stattdessen sagte er: Das ist situationselastisch.

Das Wort "elastisch" ist aus dem Griechischen entlehnt, elastós bedeutet dehnbar und biegsam. Wir reden von einer "elastischen Fatsche am Fußgelenk" oder einer "elastischen Radaufhängung". Bewegliche Menschen gehen "mit elastischem Schritt". Politiker verwenden das Wort im übertragenen Sinn mit den Bedeutungen flexibel und anpassungsfähig. Arbeitszeiten, Organisationsstrukturen oder Arbeitsgesetze können "elastisch" gehandhabt werden.

Ich habe das Gefühl, dass bei "situationselastisch" eine sprachliche Fehlleistung vorliegt. So geht es uns ja oft: Wir suchen einen bestimmten Ausdruck, dann schwirren uns mehrere Wörter durch den Kopf, am Ende kommt ein wildes Kompositum heraus. Aber je öfter dieser Ausdruck verwendet wird, desto vertrauter wird er uns.

Das Jugendwort des Jahres wurde "Selfie" - auch das ist ein Ausdruck, der bleiben wird. Es ist eigentlich kein Jugendwort, weil es auch Erwachsene verwenden - und es häufig tun: Sie stellen sich neben einen Freund oder Bekannten, grinsen in die Kamera und drücken auf den Knopf. Inzwischen gibt es auch ein Kompositum: "Selfiestange". Wer Selfies macht, wünscht sich einen längeren Arm, weil nicht alles auf das Bild passt und das Bild schief aussieht. Bei der Selfiestange handelt es sich um eine Teleskopstange mit Handgriff, auf die das Smartphone gesteckt wird. Auf diese Weise kann man Selfies aus anderen Winkeln und mit größerem Abstand machen.

Der Spruch des Jahres ist der Satz "Jetzt hat uns die den Schas g’wonnen." Die Jury erklärt die Wahl so: "Überrascht-ironische Reaktion des österreichischen Moderators Andi Knoll (ORF) während der Live-Übertragung des Eurovision-Songcontests 2014 auf den Sieg durch Conchita Wurst."

An dieser Stelle konnten Sie bereits etwas über den Hintergrund des Spruchs lesen. Die frühere Song-Contest-Teilnehmerin Nadine Beiler sagte: "Lassts mi nur, i hol euch the twelve Points von überall und g’winn euch den Schas . . ." Aber es wurde nur Platz 18. Zuvor meinte ein Mitglied von Alkbottle: "Wir gwinnan eich den Schaas!" Aber die Rockgruppe schaffte nicht einmal die Hürde der Vorausscheidung. Andi Knoll wollte also Nadine Beiler, Alkbottle und einige andere beschämen: "Ihr habt groß geredet, aber nichts erreicht. Conchita Wurst hat tatsächlich gewonnen!"