Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Geschenken seine Liebsten zu erfreuen. Am einfachsten lässt sich diese Prozedur zur Zufriedenheit aller abwickeln, wenn jedes Familienmitglied sagt, was es sich zu Weihnachten wünscht. Das ist allerdings unelegant. Deswegen wird die Methode oft abgewandelt: Ab dem Sommer belauern sich alle gegenseitig, ob sich vielleicht aus einer belanglos hingeworfenen Bemerkung ein versteckter Wunsch ableiten lässt. Das ist anstrengend, führt aber häufig zum Erfolg.

Egozentrische Menschen gehen anders vor. Sei verschenken etwas, was sie sich selber wünschen, oder etwas, das ihnen selbst gut gefällt: eines ihrer Lieblingsbücher, die CD eines Künstlers, den sie besonders schätzen, die DVD eines Films, der ihrer Meinung nach zu den besten Filmen der vergangenen Monate gehört. Das geht manchmal ins Auge. Es kann vorkommen, dass solche Geschenke noch im Dezember umgetauscht werden.

Der Frust über verfehlte Weihnachtsgeschenke führt dazu, dass manchmal in der Familie vereinbart wird: "Heuer schenken wir einander nichts. Wir freuen uns einfach, dass wir an diesem besinnlichen Abend beisammen sind." Meist löst das eine Art Befehlsverweigerung aus. Nach dem Abendessen holt jeder ein kleines Päckchen aus einem Sackerl hervor und sagt entschuldigend: "Es ist ja nur eine Kleinigkeit, ich konnte nicht anders." Jahr für Jahr sagt dann irgendwer in der Runde: "Na, gut, einmal noch. Aber das nächste Jahr ziehen wir es durch."

Der Chef einer Werbeagentur hat mir einmal gesagt: Am besten wäre es, wenn jeder dem anderen einen Geldschein schenkt, sagen wir in Höhe von 500 Euro - mit den Worten: "Kauf dir was Schönes!" Dann wären alle zufrieden.

Eine Alternative ist das Verschenken von Gutscheinen. Aber vielleicht bekommt einer einen Gutschein von Hartlauer geschenkt, dabei hätte

er lieber einen von Hervis. Ein anderer hätte mit einem Gutschein von Palmers eine Freude, wird

aber mit einem von Wein & Co beschenkt.

Apropos Wein & Co. Das Wort schenken hat etwas mit ausschenken zu tun. Ursprünglich war damit gemeint, dass der Gastgeber Wein kredenzt. Die Wörter schenken

und Geschenk gehören also zur gleichen Wortfamilie wie Mundschenk, Buschenschenke und Ausschank. Früher war auch das Trinkgefäß, in dem der Wein gereicht wurde, ein Geschenk.

Schwieriger ist die Herleitung des Verbs bescheren. Es passt nur zum heutigen Tag, denn es bedeutet: etwas zu Weihnachten schenken. Im Mittelalter hatte das Wort einen religiösen Hintergrund: das, was uns von Gott oder vom Schicksal zugemessen ist, wobei die Wortwurzel

so viel wie abschneiden oder teilen bedeutet hat.

Die heutige Verwendung des Ausdrucks erklärt sich aus der Auffassung, dass die Weihnachtsgeschenke Gaben des Christkinds sind. Deshalb gibt es bei uns ein alternatives Wort: Die vom Christkind gebrachten Geschenke werden auch als "das Christkindl" bezeichnet. Wenn noch geschenkt wird, dann kann also der eine oder andere am 25. Dezember sagen: "Dieses Mal habe ich ein schönes Christkindl bekommen . .." Andernfalls passt die ironische Floskel: "Na, das war wieder eine schöne Bescherung!"