Am Wiener Lueger-Platz, einer der prominentesten Innenstadt-Adressen, steht die alte Welt wohl nimmer mehr lang. Festgemauert in der Mitten, muss die Statue des Ex-Bürgermeisters (1897 bis 1910) unglaubliche Dinge mitansehen. Die könnten glatt den ganzen Platz weltweit in Verruf bringen. Da war an einer Ecke vor einiger Zeit die Sache mit einem gefeuerten Kellner, weil er sich an Herrn Plachuttas Zuckerpackerl bedient hatte. Vielleicht hätte dem rabiaten Antisemiten und Deutschnationalen Karl Lueger der Rauswurf eines ausländischen Mitarbeiters noch geschmeckt. Aber an der anderen Ecke, beim traditionsreichen Prückl, jetzt auch das noch: schmusende Lesben. Dann der Aufmarsch ganzer Kohorten von ihnen in Form einer Versammlung. Da haben sich wohl Volk und Zeitgeist seit damals gründlich verändert. Der Blick darauf sollte dem alten Bürgermeister wohl besser erspart bleiben.

Was wäre, wenn man dort das Gastronomie-Niveau und den Umgang mit Besuchern und Personal auf internationalen Standard hebt? Und dann gleich die Anschrift mitändert? Vielleicht in Sigmund-Freud-Platz? Bei der Umbenennung des Lueger- zum Universitätsring ist Ähnliches ja erfolgreich gelungen: Das könnte den Platz in der City glatt wieder zu einer geachteten Adresse in der Welt machen.