Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".
Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Seit Monaten ärgert sich US-Präsident Barack Obama darüber, dass manche ihn als "Lahme-Ente"-Präsident bezeichnen. Weitere zwei Jahre ist Obama noch für die US-Außenpolitik verantwortlich, aber der politische Fokus beginnt sich bereits von ihm auf die drei Politiker zu verschieben, die die Bürger laut Umfragen am liebsten 2016 kandidieren sehen würden: Die Republikaner Mitt Romney und Jeb Bush und die Demokratin Hillary Clinton. Laut einer CBS-Umfrage von dieser Woche wollen 59 Prozent der Republikaner, dass Romney kandidiert, 50 Prozent sind für Bush. Bei den Demokraten sind erstaunliche 85 Prozent für Clinton.

Interessant daran ist, dass sich alle Kandidaten gegen Obamas Außenpolitik wenden. Zum Teil ist das eine Reaktion auf die zwei Amtszeiten Obamas: Kein Kandidat will mehr desselben versprechen. Es geht aber nicht nur darum. Die Kritik an Obama ist jetzt schon sehr schneidend und sie wird in den nächsten beiden Jahren wohl noch zunehmen.

Romneys bestes außenpolitisches Argument ist, dass er recht hatte mit dem Wiederauftauchen der Al-Kaida und anderer muslimischer Extremistengruppen. In der Debatte vom 22. Oktober 2012 sagte Obama, dass der Kern der Al-Kaida "dezimiert" worden sei. Aber Romney behielt recht: "Auf der Flucht sind sie sicher nicht. Sie verstecken sich auch bestimmt nicht. Es handelt sich um eine Gruppierung, die mittlerweile in zehn bis zwölf Staaten auftritt und langfristig eine enorme Bedrohung für unsere Freunde darstellt, für die Welt und für die USA. Wir brauchen eine umfassende Strategie, um diese Art von Extremismus zurückzudrängen."

Wenn Romney auch in Sachen Al-Kaida 2012 recht hatte, in Sachen Iran hatte er unrecht. Er lehnte Obamas Strategie des Engagements ab. Er sagte, er brauche keine Genehmigung des Kongresses, um den Iran militärisch anzugreifen und warnte vor der Gefahr iranischer Atomwaffen: "Wir können es uns nicht leisten, viel länger zu warten. Wir können es uns sicher nicht leisten, während weiterer vier Jahre Regierung Obama zu warten. Dann wird es viel zu spät sein." Das war zu militaristisch. Romney hat seinen Ton gemildert, aber er scheint sich politisch noch immer nach Israels Premierminister Benjamin Netanyahu zu richten. Auch Clinton hat offenbar vor, gegen Obamas Außenpolitik zu kandidieren. Einige Mitarbeiter des Weißen Hauses ärgerten sich 2014 über ihre Memoiren "Hard Choices". Als ich das Buch rezensierte, listete ich eine Reihe von Themen auf, bei denen Clinton als Außenministerin ein gutes Urteilsvermögen zeigte und einige wichtige Punkte früher erkannte als Obama.

Und schließlich: Wenn Jeb Bush von den Republikanern aufgestellt wird, würde er nicht nur gegen die Außenpolitik von Obama, sondern auch die seines Bruders George W. Bush kandidieren müssen, da dessen Invasion im Irak 2003 heute überwiegend als Fehler eingestuft wird. Jeb Bush müsste also von Anfang an versichern, dass er nichts ähnlich Leichtsinniges tun würde.

Noch beherrscht Obama die Szene, aber die Frage wird zunehmend sein: Was kommt dann?

Übersetzung: Redaktion