Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Wien ist österreichischer Meister beim Mülltrennen. In keinem anderen Bundesland werden laut Umweltstadträtin Ulli Sima Altstoffe wie Glas, Metall, Plastikflaschen und Papier so konsequent vom Restmüll getrennt wie in der Bundeshauptstadt. In Zukunft soll es noch besser werden. In Kürze werden die Wiener auf dem Postweg Sammeltaschen erhalten, "in coolem Design", wie man in einer Aussendung lesen kann. Die Standardvariante der Sammeltasche wird in der Farbe Orange gehalten sein. Auf ihr wird der Spruch "I’ll be back" stehen. Diese Tasche wird gratis an alle Haushalte verschickt.

Zusätzlich "zum orangen Standardmodell" gibt es zwei "Sondereditionen": eine Tasche im Design eines Reisekoffers mit der Aufschrift "Der Tonne entgegen" und "die schicke Vorsammelhilfe im Design einer edlen Damenhandtasche mit der Aufschrift ,Trendy kommt von Trennen‘".

Alle drei Modelle sind im 48er-Basar, bei den Wiener Mistplätzen und in der 48er-Zentralkanzlei in der Einsiedlergasse erhältlich. Eine Tasche kostet zwei Euro. Der gesamte Erlös kommt dem Wiener "TierQuarTier" zugute, das ist das neue Tierschutzkompetenzzentrum im Norden Wiens.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass man für eine verstärkte Mülltrennung kräftig die Werbetrommel rühren soll. Aber muss es gerade diese Werbung sein? Eine Mischung aus einem faden Anglizismus - I’ll be back -, einer krampfigen Wortspielerei -der Tonne entgegen - und einer scherzhaft-falschen Etymologie - Trendy kommt von Trennen. Das tut wirklich weh.

Ich stelle mir die Entstehungsgeschichte so vor: Da hat eine Werbeagentur drei Slogans den Entscheidungsträgern zur Auswahl vorgelegt. In der finalen Sitzung war man sich einig, dass keiner der drei Slogans als der große Wurf bezeichnet werden kann. Dann kam jemand auf die Idee: "Nehmen wir doch alle drei und produzieren wir drei Taschen!" - "Großartige Idee! Gekauft!" So könnte es gewesen sein.

Aber nicht alles, was Ulli Sima macht, gibt Anlass zu Kritik. Um zu zeigen, dass das Wiener Wasser nicht nur hervorragend schmeckt, sondern auch die umweltfreundlichste Form des Durstlöschens ist, präsentierte sie vor einem halben Jahr Wasserkaraffen mit Motiven aus der Landeshauptstadt. Neben dem Wiener Rathaus, dem Wasserturm Favoriten, dem Wiener Riesenrad und dem Johann-Strauß-Denkmal ziert auch die Skyline Wiens eine der Karaffen. Der 1-Liter-Krug besteht aus Recyclingglas und ist spülmaschinenfest.

Eine Karaffe gibt es um 19,90 Euro im Museum für angewandte Kunst und in exklusiven Geschäften in der Innenstadt (siehe Website mit Liste). An Standorten der Gemeinde Wien kostet eine Karaffe 12 Euro: in der MA 31 in Wien 6, Grabnergasse 4-6 und im Weingut Cobenzl.

Die Karaffen haben ein attraktives Design, Wasser aus einem dieser Glaskrüge zu trinken ist also nicht nur gesund, sondern auch schick. Man kann ausländischen Gästen, die kein kohlensäurehaltiges Mineralwasser mögen, Wiener Wasser in diesen Karaffen servieren und die Geschichte vom Bau der zwei Wiener Hochquellwasserleitungen erzählen. Und da die Karaffen normalerweise ein recht langes Leben haben, gibt es kein Entsorgungsproblem.