Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Letzten Sonntag druckte die "Krone" alle 19 Forderungen der Pegida ab: "Von Ausweisungen bis Genderwahn" stand in der Überschrift. Mich interessierte vor allem die Forderung Nummer 17: "Gegen das wahnwitzige ,Gender-Mainstreaming‘, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache".

Meine Position zur geschlechtergerechten Sprache ist ja bekannt. Ich bin ein Gegner des Genderns, weil die Lesbarkeit der Texte darunter leidet, und weil es in der gesprochenen Sprache ohnedies nicht funktioniert. Aber ich setze mich dafür ein, dass das Gendern nicht verboten wird: weder durch Rechtschreibregeln, noch durch das Österreichische Wörterbuch, und auch nicht durch Ö-Normen des österreichischen Normungsinstituts (Austrian Standards Institute). Wer gendern will, "der" soll gendern - dass "der" unter Anführungszeichen steht, hat einen Grund. Meist sind es Männer, die sich vehement für das Gendern einsetzen - wie Ute Scheub, Gründungsmitglied und langjährige Redakteurin der linken Tageszeitung "taz", feststellt. Und sie geht noch einen Schritt weiter: "Das große I ist von Männern eingeführt und von Frauen gekillt worden."

Die Realisierungschancen werden also pessimistisch eingeschätzt. Kaum jemand glaubt, dass es eines Tages gegenderte Formen in den Printmedien geben wird. Was bleibt, ist eine Art Aktionismus - er wird mit dem Ausdruck "Sprachguerilla" umschrieben.

Auch in meinem Freundeskreis habe ich so einen "Sprachguerillero". Er hat in einem wissenschaftlichen Beitrag eine extravagante Form des Genderns angewandt. Es ging um den Unterricht an den Schulen, sprachpolitisch korrekt sollte also von "Lehrerinnen und Lehrern" sowie von "Schülerinnen und Schülern" die Rede sein. Um diese Langatmigkeit zu vermeiden, kürzte er die immer wiederkehrenden Wortgruppen ab: "Lehrerinnen und Lehrer" mit "LL" - "Schülerinnen und Schüler" mit "SS", und in einer Fußnote erklärte er diese Buchstabenkombinationen.

Immerhin zeigte er sich auf meinen Einwand, dass SS ein vorbelastetes Kürzel sei, reuig. In Hinkunft werde er SuS bzw. LuL schreiben. Auch das ist furchtbar, da lobe ich mir das Binnen-I.

Zurück zur Pegida. Es könnte der Eindruck entstehen, dass sie gegen eine geschlechtergerechte Sprache zu Felde zieht. Pegida scheint aber gegen das Gender-Mainstreaming zu sein, und das ist etwas anderes.

Der Begriff wurde erstmals 1985 auf der 3. UN-Weltfrauenkonferenz in Nairobi diskutiert und zehn Jahre später auf der 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking weiterentwickelt. Seit den Amsterdamer Verträgen von 1997/1999 ist Gender-Mainstreaming ein erklärtes Ziel der Europäischen Union.

Mit Gender-Mainstreaming sollen die unterschiedlichen Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern in der Gestaltung von Prozessen und Arbeitsabläufen von vornherein berücksichtigt werden. Es geht also nicht darum, den Blick auf frauenspezifische Problemfelder zu lenken, sondern im Rahmen einer ganzheitlichen Sicht auf "die Geschlechter" allgemein. Das ist ein vernünftiger Ansatz.

Ist die Pegida nun gegen das Gendern oder gegen das Gender-Mainstreaming? Offensichtlich kennt man den Unterschied nicht.