Wahrscheinlich war es einer meiner literarisch interessierten Freunde: Neulich nämlich hatten wir über "Faschingszeitungen einst und jetzt" gesprochen, danach erhielt ich ein kurioses E-Mail, abgesandt von faschingspostman@2015.at, mit der Betreffzeile: Proben einer heiteren Versuchsreihe.

MATTHIAS LOVES EVA. Der kluge Politiker plant vor. Neos-Chef Matthias Strolz denkt an die nächste Nationalratswahl - und an die Zeit danach. Er hofft, dass seine Partei sich mit den Grünen verbünden und sodann mit SPÖ oder ÖVP koalieren könnte. Deshalb schickt der vorsorgliche Mann schon jetzt Liebesgedichte an Eva Glawischnig, etwa der Art:

Du bist so grün und so glänzend, / so samten und geschmeidig, /das gesunde Leben und die Zukunft. / Ich denke an Dich, /Du bist mein Schatz. / Wir Neosmänner, wir lieben Dich.

DER PROPAGANDIST. Brüssel, Cafeteria des EU-Kommissionspräsidiums. Der Sekretär des Präsidenten (S) und einer seiner Mitarbeiter (M).

M: Alle Achtung! Der brave Österreicher hat schon wieder eine Lanze für die EU gebrochen.

S: Der brave Österreicher? Erhard B.? Sebastian K.?

M: Nein, Robert M. Der getreue Menasse. Der Schriftsteller, der so heftig und häufig ins europäische Horn stößt. Sag, stimmt es, dass dieser emsige Propagandist von uns bezahlt wird?

S: Ich weiß es nicht. Und selbst wenn ich’s wüsste, dürfte ich’s dir nicht sagen.

M: Aha. Aber er ist doch Mitglied der hiesigen Loge zur zwölfgestirnten Einfalt, nicht wahr?

S: Ich weiß es nicht. Und selbst wenn ich’s wüsste, dürfte ich’s dir nicht sagen.

M: Jedenfalls macht der Mann tolle Werbung für uns.

S: Tja, er hat in seiner Jugend den Marxismus-Leninismus gründlich studiert und dabei Agitprop von der Pike auf gelernt.

DSCHIHADERSDORF. David Schalko soll eine weitere satirische TV-Serie für den ORF gestalten. Titel: Dschihadersdorf. In der NÖ-Landespolizeidirektion geht ein anonymer Hinweis ein: In Hadersdorf leben drei aus Bosnien stammende Flüchtlingsfamilien, deren Kinder dschihadistische Schläfer sind. Inspektor Stinacic (L. Resetarits), der Kroatisch spricht (was, wie man in St. Pölten sagt, eh so ähnlich klingt wie Bosnisch) wird vor Ort geschickt. Er findet eine Gruppe von 15 freundlichen Menschen beiderlei Geschlechts vor, angeführt von einem vollbärtigen Greis (E. Steinhauer). Leider klappt die sprachliche Verständigung nicht. Der zu Hilfe gerufene Oberinspektor Gneisser (A. Vitasek) stellt rasch fest, was Sache ist:

Die vermeintlichen Bosnier sind in Wahrheit Albaner, und sie betreiben dubiose Im- und Exportgeschäfte zusammen mit dem Bürgermeister (R. Palfrader) und einem Gasthausbesitzer (N. Ofczarek). Gerade als Oberinspektor Gneisser das Einsatzkommando verständigen will, um die Verdächtigen festzunehmen, taucht ein saudi-arabischer Scheich (M. Niavarani) auf, der dem verblüfften Polizisten ein höchst attraktives unmoralisches Angebot macht . . .