Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Es war eine besonders lange und eine besonders hoch gelegene Strecke. Der WM-Slalom in Beaver Creek forderte den Rennläufern alles ab. Der Salzburger Marcel Hirscher kommentierte die Anstrengung im Halbzeit-Interview mit Rainer Pariasek so: "Do gibt’s koan, der heid ned blaugeht. 1,4 Kilometer Lauflänge auf 3000 Meter im Slalom - des is, glaub i, aa a Premier‘!"

Ein schöner Beleg für den Ausdruck blaugehen. Rainer Pariasek hätte ihn eigentlich erklären müssen, man kann ja nicht erwarten, dass alle wissen, was gemeint ist.

Der ORF-Kommentator Oliver Polzer hat vermutlich ähnlich gedacht. Als ein anderer Läufer im Ziel beinahe zusammenbrach und die Fäuste gegen die Oberschenkel presste, erklärte er es: "Blaugehen heißt: Schmerzen in den Oberschenkeln haben. Da verlässt ihn die Kraft, da muss er durchbeißen."

Die Wendung hat nichts mit blau im Sinn von alkoholisiert zu tun. Gemeint ist ein Phänomen, das auch in anderen Sportarten anzutreffen ist, auch im nordischen Langlauf und in Leichtathletikbewerben, in denen die Ausdauer entscheidend ist. Bei besonders hoher Belastung werden die Muskeln nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Da die Haut unter Sauerstoffmangel bläulich wird, ist der Ausdruck entstanden.

Fachkommentator Armin Assinger ist berühmt für eine kreative Weiterentwicklung von blaugehen: Da zwitschern die Blaumeisen! "Der Spiegel" zitierte am 5. Februar 2001 in einem Beitrag über die Weltmeisterschaften in St. Anton bewundernd derartige Wendungen: "Tu, felix Austria, glücklich das Volk, das solche Bilder findet."

Ich vermute, dass wir es bei blaugehen mit einer übertragenen Bedeutung zu tun haben, genauso wie bei blaumachen. Deshalb habe ich mich freihändig für die Zusammenschreibung entschieden - in den Wörterbüchern ist der Ausdruck ja nicht zu finden.

Weil es gut passt, möchte ich ein paar Worte über blaumachen verlieren. Es handelt sich um eine Kurzform von: einen blauen Montag machen. Seit dem 16. Jahrhundert stand es den Handwerksgesellen zu, an bestimmten Montagen nicht für den Meister zu arbeiten, sondern an Gesellenversammlungen teilzunehmen, den Tag für eigene Arbeit zu nützen oder zu entspannen.

Der Obrigkeit war dies ein Dorn im Auge. Deshalb war es vielerorts üblich, die Inanspruchnahme der Regelung einzuschränken. Von daher kommt auch der negative Klang von blaumachen.

Der arbeitsfreie Tag hieß ursprünglich "der gute Montag". Warum die Farbe Blau ins Spiel kam, ist Gegenstand vielfältiger Erklärungsversuche. Blau, so hat man argumentiert, wurden diese Montage genannt, weil am Rosenmontag, an dem ebenfalls die Arbeit ruhte und der auch "unsinniger Montag" genannt wurde, die Altarbehänge in den Kirchen von blauer Farbe waren.

Laut dem "Etymologischen Wörterbuch" von Kluge-Seebold wurden die "guten Montage" aus einem anderen Grund als blau bezeichnet: wegen der montägigen Quatember-Gedächtnismessen für verstorbene Zunftmitglieder, bei denen die Priester ein blaues Messgewand trugen. Diese Messen wurden "blaue Messen" genannt. Somit ist nicht nur blaugehen, sondern auch blaumachen plausibel erklärt.