Bei den meisten Smartphone-Benutzern ist der Daumen - in prädigitalen Zeiten eher ein Stiefkind bzw. -finger - zum haupt-strapazierten Handarbeiter geworden. Bei mir hingegen verrichtet der rechte Zeigefinger täglich Schwerarbeit, allerdings nicht am Mobilgerät, sondern auf der Tastatur meines Standgeräts, da er dort - auf der "Entf"-Taste platziert - einen Großteil des Mailmülls wegschaufelt. Im Folgenden eine kleine Auswahl aus den alltäglichen Konvoluten, die aus den (Un-)Tiefen des Netzes auf meine Netzhaut schwappen.

Der allgegenwärtige Krimi-Boom zeigt sich auch in diversen PR-Aussendungen: So werfen etwa "die 10. Ostdeutschen Krimitage" "ihre düsteren Schatten voraus!" Neben "Mords-Grusel" und "Mords-Büchern" finden sich auch "Mords-Unterricht" (bei Schülern sicher beliebt!) und "Leichenschmaus und Totentanz" auf der kriminologischen Speisekarte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Dem kann und will die Tiroler Gemeinde Hall blutzollmäßig in keiner Weise nachstehen - und informiert über die Veranstaltung "Mord im Parkhotel". Bei dieser "köstlich kriminellen" Co-Produktion gibt es nicht nur eine mörderisch spannende Story zum Miträtseln und Schmunzeln (Kadaver-Humor?), sondern auch "das kriminell gute 4-Gang-Dinner". Wer dabei kulinarisch auf der Strecke bleibt, wird vorweg freilich nicht verraten . . .

Ein blutjunger deutscher Autor kündigt seinen Debütroman "Blutwinter" an ("Da ich ein Nikolaus- wie Weihnachtsfan gleichermaßen bin, wurde es eine Geschichte, die an Nikolaus spielt.") Ob da nicht Krampus näher gelegen wäre? - Wem dabei fröstelt, der ist vielleicht bei einem Voodoo-Krimi aus Haiti klimatisch besser aufgehoben - und darf sich, laut Verlags-PR, auf die Rückkehr von Inspektor Dieuswalwe Azémar (was für ein leicht zu merkender Name!) aus "Schweinezeiten" freuen.

Die "Killer Cobra Records" leiten mit ihrem Programmkatalog - keineswegs für Schweinsohren gedacht! - perfekt zu musikalischen Mailaussendungen über. Die informativste aus den letzten Wochen ist wohl die, dass das "traditionsreiche Orchester der Wiener Gaswerke ab sofort unter neuem Namen" aufspielt: "Blasorchester der Wiener Netze". Auch eine Nachwuchsformation bläst sich mit kernigem Namen durchs Netz: "gasMusikus". Ob man die eher hört oder riecht?

Gut gefällt mir auch, dass eine Aussendung über den "Smartphone App Markt" von einer Dame mit dem Namen Julia Klings- ohr stammt. Der Einladung zum "5. Würzburger Schimmelpilz Forum" werde ich vermutlich genauso wenig Folge leisten wie jener für mich Glatzkopf wenig attraktiven zum Festival "Open (H)air - Mit schönem Haar besser feiern". Da interessiert mich schon eher das neue Werk der Satiregruppe Hydra mit dem Titel "Die unfrisiertesten Philosophen aller Zeiten".

Mein Lieblingsmail stammt allerdings von einem Kollegen: "Ich habe Dir, glaube ich, gesagt, das Buch heißt Demenz - das stimmt nicht: Es heißt Alzheimer."