Das "Theater-Tier" im pittoresken Thermalbad: Claus Peymann bei seiner Bernhard-Lesung in Bad Vöslau. Foto: Schmickl
Das "Theater-Tier" im pittoresken Thermalbad: Claus Peymann bei seiner Bernhard-Lesung in Bad Vöslau. Foto: Schmickl

Das Theater geht neuerdings gerne baden. Nein, hier ist nicht von neuen finanziellen Untiefen des Burgtheaters die Rede, sondern davon, dass Aufführungen auffallend oft in Schwimmbädern stattfinden. So wurde etwa die Erzählung "Die Botschaft von Kambodscha" der britischen Autorin Zadie Smith kürzlich im Wiener Jörgerbad in Szene gesetzt.

Was als location nicht allzu weit hergeholt ist, da die Geschichte von einer afrikanischen Einwanderin (in London) handelt, die als geknechtete Haushälterin wöchentlich schwimmen geht, was ihr einziges Freizeitvergnügen darstellt. Und dabei darf man ihr als Quasi-Theaterbesucher zusehen, während ein Erzähler vom Beckenrand aus ihr Leben schildert.

In Berlin wird demnächst Christoph Ransmayrs Stück "Odysseus, Verbrecher" von einem Ensemble aus Ex-Inhaftierten und Schauspielern im Schwimmbad Lichtenberg gespielt (das freilich nur mehr eine Ruine ist - und gerade deshalb gut zu dem Stück über die Rückkehr des Königs der Ithaker auf die verwahrloste Insel passt).

Die kurioseste Aufführung fand vor einer Woche in Bad Vöslau statt, wo im altehrwürdigen Thermalbad Claus Peymann aus Thomas Bernhards "Holzfällen" las. Die Lesung war Auftakt einer (von der Journalistin Angelika Hager kuratierten) Veranstaltungsreihe, die sich "Schwimmender Salon" nennt, und die den Sommer über ein buntes Programm mit Schauspielern und Dichtern präsentiert (u.a. Michael Heltau, Maria Bill, Peter Turrini).

Da saß er also, der ehemalige Burgtheater-Direktor, und zwar auf einer kleinen Bühne inmitten des Thermalbeckens, umgeben von der operettenhaften Kulisse des schönbrunn-gelben Bades mit seinen historischen Kabanen und majestätischen Baumbeständen. Nur auf einem Sessel saß er (er hätte sicher Stuhl dazu gesagt), wie stets in Schwarz gewandet, und verlieh jenem einst verbotenen Roman, in welchem er selbst vorkommt, seine ausdrucksstarke Stimme. Denn da ist von einem neuen Burgtheater-Direktor die Rede, einem "deutschen Theater-Tier", einem "manischen Berserker".

An dieser Stelle stand Peymann kurz auf und verbeugte sich. Es war nicht die einzige selbstironische Einlage des gewitzten Theatermannes, dessen nicht nachlassende polemische Verve sich erst kürzlich bei seinen medialen Auslassungen über den Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner zeigte. Einmal rutschte ihm doch glatt ein "Schangse" heraus. Sofort lachte er selbst laut auf, schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn und rief: "Wie kann ich nur!" Und skandierte danach gleich mehrmals hintereinander die zumindest in Wien - wie ihm als "Piefke" einst eingebläut worden war - korrekte Aussprache des Wortes "Chance", also "Schoooß".

Es war somit ein höchst unterhaltsamer, animierter und spritziger Abend, der in Bad Vöslau über die schwimmende Salonbühne ging. Wobei man bedauerte, dass Thomas Bernhard das nicht mehr erleben durfte. Er hätte daraus sicher ein böses Dramolett gemacht - und seinen Lieblingsregisseur mitsamt dem teilweise anwesenden Kulturschickeria-Publikum im Thermalwasser versenkt.