Vor einiger Zeit ging die Nachricht um die Welt, eine niederländische Organisation plane, aus mehr als 200.000 Bewerbern eine Gruppe von 24 Personen für einen Flug zum Mars auszuwählen. Die Leute sollten sich dort dauerhaft niederlassen. Wer zu den glücklichen Gewinnern dieses Wettbewerbs gehörte, sollte in einer Fernsehshow ermittelt werden. Flugdauer zum Roten Planeten: sieben Monate. Nach jüngsten Meldungen auf der Internetseite der Organisatoren ist das Kandidatenfeld nach einigen Ausscheidungsrunden bereits auf einhundert geschrumpft, die nächste Selektion ist für 2016 vorgesehen.

Unter der durch nichts bestätigten Annahme, das Projekt sei ernst gemeint, stellt sich zunächst die Frage: Was bewegt eine Menge von Menschen, die größer ist als Linz Einwohner hat, sich an einem Ort ansiedeln zu wollen, der 228 Millionen Kilometer von ihrer jeweiligen Heimat entfernt liegt und wo wenig an die bisher gewohnte Umgebung erinnert: eine Temperatur von durchschnittlich minus 60 Grad Celsius, so gut wie kein flüssiges Wasser, keine Atemluft, sondern jede Menge Kohlendioxid und permanent roter Eisenoxidstaub um einen herum; ein Tag auf dem Mars ist zwar nur ein paar Minuten länger als auf der Erde, aber dafür hat das Jahr dort 687 Tage und die Jahreszeiten sind somit doppelt so lang wie hier.

Ist es der unbändige Forscherdrang, der dem Menschen angeblich seit jeher innewohnt oder die pure Lust oder ist das Leben hier auf Erden dermaßen unerträglich geworden? Wir wissen es nicht.

Die Mehrzahl der Bewerber kommt aus den USA. Das wiederum verwundert nicht. Die Missionen in den Orbit besitzen jenseits des Atlantik eine jahrzehntelange, wenn auch nicht immer erfolgreiche Tradition; immerhin betraten vor fast 50 Jahren die Amerikaner Armstrong und Aldrin den Mond. (Zumindest nach offizieller Ver-
sion. Böse Zungen behaupten nach wie vor steif und fest, das Ganze sei in der Wüste von Nevada gefilmt worden. Wäre auch okay.) Vielleicht vermittelt den US-amerikanischen Bewerbern ja auch der Forschungsroboter der NASA namens "Curiosity", der dort oben stationiert ist, ein heimeliges Gefühl. Und schließlich darf man nicht vergessen, dass Untersuchungen zufolge ein Drittel aller Amerikaner, also mehr als 100 Millionen Leute, an außerirdisches Leben glaubt. Grund genug, diese Annahme von den Marsmenschen persönlich bestätigt zu bekommen.

Da drängt sich die Frage auf, wie denn die kleinen grünen Männchen einem Dutzend Frauen und ebenso vielen Männern unseres Planeten begegnen würden? Feindlich? Freundlich? Amüsiert? Würden sie so reagieren wie die meisten Europäer in der Asylfrage? Wir wissen es ebensowenig. Rückflüge zur Erde sind im Plan der Expedition jedenfalls nicht vorgesehen.

Für 2016 ist das nächste Assessment-Center für die hundert verbliebenen Bewerber vorgesehen. Und irgendwann werden wir zumindest erfahren, wer hinter der Aktion steckt. Der Produzent des Schokoriegels oder doch der gleichnamige Sänger von "Count on me".

Hans-Paul Nosko ist Journalist und lebt in Wien.