Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Auf den ersten Blick sieht die Idee bestechend aus: Schaffen wir das Geld ab! Verwenden wir nur noch Kreditkarten und überweisen wir per Internet! Dann würde das umständliche Hantieren mit Münzen und Banknoten der Vergangenheit angehören. Schon jetzt zahlen viele sogar bei Kleineinkäufen im Supermarkt mit Plastikgeld, auch ich gehöre dazu. Schwarzgeschäfte wären leichter aufzudecken, Geldfälscher wären arbeitslos.

Die geldlose Gesellschaft ist eine revolutionäre Idee. Der Aktionskünstler und Kunsttheoretiker Joseph Beuys hat sie vehement vertreten. Allerdings meinte er, dass sie anfänglich nur im Kleinen realisiert werden könne, zum Beispiel in einer Kommune, und Beuys wollte in seiner utopischen Vision das Geld gleich generell abschaffen - auch das Plastikgeld. Damit wäre dem Neid, der Missgunst und der Prahlerei ein Riegel vorgeschoben.

Das hat die EU natürlich nicht im Sinn. Einige in der EU wollen die Münzen und Banknoten abschaffen und das Plastikgeld als einziges Zahlungsmittel etablieren. Aber die Seniorenverbände aller Länder vereinigen sich in ihrer ablehnenden Haltung, und sie sind halt die eigentlich Mächtigen in den überalterten EU-Ländern.

Also müssen wir den Plan wohl ins Reich der Fantasie verweisen. Aber stellen wir es uns dennoch vor: Das Unmögliche würde eintreten. Wenn das Geld abgeschafft wäre, ginge auch ein liebenswerter Teil unseres Wortschatzes verloren.

Es gibt zahllose scherzhafte Ausdrücke für das liebe Geld. Eine größere Menge Geldes wird als Batzen oder als Flocken bezeichnet. In Süddeutschland und Österreich wird das Geld auch Gerstel genannt und auch Maxen nach dem Bild des bayrischen Königs Maximilian IV. auf den Münzen.

In Norddeutschland sind die Wörter Knete und Kohle recht beliebt, Gleiches gilt für Pinke oder verdoppelt für Pinkepinke: "Wer hat so viel Pinkepinke, wer hat so viel Geld!" Die Berliner haben Piepen in der Geldtasche - vermutlich eine Kurzform für Piepmatz, eine scherzhafte Bezeichnung für den Adler auf den Münzen. Nicht nur Vögel, auch Amphibien dienen als Umschreibung: "Her mit den Kröten!"

Das Wort Zaster stammt aus der Zigeunersprache, es dürfte ursprünglich so viel wie Eisen bedeutet haben. Wir bezeichnen das Geld auch als Marie, vermutlich nach dem Mariatheresientaler. Die im Nachrichtenmagazin "Profil" verbreitete Ableitung von französisch Mairie (= Rathaus) ist wohl verfehlt, obwohl in diesen Institutionen zu Zeiten Napoleons das Steuergeld gehortet wurde. Auch die Herleitung von einem zigeunersprachlichen Wort, das Brot bedeutet hat, geht wohl ins Leere.

Das Wort Mammon verdanken wir den alten Griechen, gemeint ist Geld als materielle Voraussetzung etwa zur Erfüllung luxuriöser Bedürfnisse. Deshalb war Beuys für die Abschaffung des Geldes. Ein Geldmangel wird übrigens Dalles genannt, das Wort stammt aus dem Jiddischen. Das erinnert uns daran, dass es auch viele arme Juden gab. Die Verteilung zwischen Arm und Reich war unter der jüdischen Bevölkerung ähnlich wie in der Gesamtbevölkerung - aber die Nazis haben nur auf die reichen jüdischen Unternehmer mit dem Finger gezeigt und darauf ihre Propaganda gestützt.