Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Man kann es keinem Journalisten verdenken, wenn er von einem "Flüchtlingsstrom" spricht. Bedenklich sind Formulierungen, in denen davon die Rede ist, dass der Flüchtlingsstrom zu einem "Tsunami" wird. Wir erinnern uns: Ein Tsunami bricht über ein Land herein und verursacht tausende Todesopfer und verheerende Verwüstungen. Die Flüchtlinge verursachen weder das eine noch das andere.

Mehrdeutig ist der Ausdruck "Flüchtlingsmisere". Misere bedeutet Elend, das passt schon, wenn die Flüchtlinge gemeint sind. Aber die Interpretation, dass die Flüchtlinge uns ins Elend bringen, liegt ebenfalls nahe. Treffender wäre es daher, von einer "Unterbringungsmisere" zu sprechen. In der Tageszeitung "Der Standard" habe ich dieses Wort gefunden. Und natürlich haben wir es auch mit einer "Verteilungsmisere" zu tun: innerhalb Österreichs und innerhalb Europas. Wir reden heute darüber, dass jede Gemeinde 1,5 Prozent der Einwohnerzahl an Flüchtlingen aufnimmt. Eine Gemeinde mit 10.000 Einwohnern müsste also 150 Flüchtlinge aufnehmen. Das geht nicht?

Die Regierung reagiert mit der Errichtung einer "Task-Force". Diese besteht aus Kanzler Werner Faymann (SPÖ), Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Integrations- und Außenminister Sebastian Kurz (beide ÖVP) sowie Verteidigungsminister Gerald Klug und Kanzleramtsminister Josef Ostermayer (beide SPÖ). Die Spezialgruppe soll sich einmal wöchentlich nach dem Ministerrat mit dem Thema Asyl befassen - und die aktuelle Quartierslage beurteilen.

Task-Force war eine ursprünglich militärische Bezeichnung für einen temporären Zusammenschluss von verschiedenen Einheiten der US-Navy und stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Problemlösung der Flüchtlingsfrage in die Nähe einer militärischen Angelegenheit zu rücken, ist - gelinde gesagt - merkwürdig. Man stelle sich eine Kampftruppe bestehend aus Faymann, Mitterlehner, Mikl-Leitner usw. vor - das ist Stoff für Karikaturisten.

Laut Wikipedia hat das Wort Task-Force auch eine Nebenbedeutung, nämlich "Krisenstab". Als Krisenstab bezeichnet man eine Stabsstelle innerhalb einer Organisation zum Notfall- oder Katastrophenschutz. Der Krisenstab selbst übernimmt nicht die Führung, sondern funktioniert nur unter einem führungserfahrenen und alleinverantwortlichen Leiter. Die Spezialgruppe, die sich nach dem Ministerrat trifft, besteht aber aus den Ministern selbst. Außerdem wäre es kommunikationstechnisch ein Fehler, die Unterbringungsproblematik als Krise zu bezeichnen.

So gesehen ist Task-Force nur ein schlechter PR-Gag. Der Ausdruck wird übrigens immer öfter verwendet. Erst voriges Jahr ist durch Ministerratsbeschluss die "Task-Force Menschenhandel" unter Leitung des Außenministers eingerichtet worden, um die österreichischen Maßnahmen gegen Menschenhandel zu koordinieren. Das ist immerhin eine Art Stabsstelle im eigentlichen Wortsinn.

Und wenn es schon eine Task-Force sein muss: Richtig ist die Schreibung mit Bindestrich. Auch die Zusammenschreibung ist möglich: Taskforce. Die Getrenntschreibung ohne Bindestrich, also Task Force, gilt für das Englische.