Bisher haben nur Insider davon gewusst. Aber vor kurzem hat mir ein Kollege eine Presseaussendung aus Deutschland zukommen lassen, die für mich jetzt ein Anlass ist, über eine gute Sache und ein erfolgreiches Projekt ausführlich zu berichten.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

"Der Institutionenpreis Deutsche Sprache geht heuer an das Sprachinstitut des Österreichischen Bundesheeres (SIB)", konnte man in der Aussendung lesen. Das Institut wird ausgezeichnet "für seine Bemühungen um sprachliche Schulung und Bildung von Wehrpflichtigen deutscher und anderer Muttersprache und für die sprachliche Vorbereitung und Begleitung von UN-Friedenseinsätzen österreichischer Soldaten."

Den Preis werden am 10. Oktober Josef Ernst und Robert Rozinsky in Kassel entgegennehmen - auch stellvertretend für die fast 50 Mitarbeiter und für die zahlreichen Tutoren unter den Offizieren und Unteroffizieren, die unter ihrer Anleitung als sprachliche Ausbildner in den Kasernen tätig sind.

"Die österreichischen Streitkräfte leisten Vorbildliches bei der Sprachvermittlung und bei der Förderung des Deutschen als Fremdsprache in einem Sprachgebiet mit hohen Anforderungen", sagt Jury-Sprecher Univ.-Prof. Dr. Helmut Glück von der Universität Bamberg.

Das in der Landesverteidigungsakademie angesiedelte Sprachinstitut hat bisher in der Öffentlichkeit wenig Beachtung gefunden. Einer meiner Freunde, denen ich erzählt habe, dass das Bundesheer einen Sprachpreis bekommt, hat mich skeptisch angeschaut: "Was es nicht alles gibt... Aber muss das sein? Gerade im Bundesheer?"

Ja, es muss sein. Viele Grundwehrdiener haben mangelnde Sprachkenntnisse, egal ob Deutsch ihre Muttersprache oder ihre Zweitsprache ist. Ihre Lesefähigkeit ist nicht ausreichend, hinzu kommen Mängel bei der Beherrschung der Grammatik und der Rechtschreibung. Mit den Deutschförderkursen des Bundesheeres werden also Defizite unseres Schulsystems ausgeglichen. Jedes moderne Unternehmen investiert in die Weiterbildung seiner Beschäftigten, es ist gut so, dass man das auch im Österreichischen Bundesheer so sieht.

Die modernen und effizienten Schulungskonzepte des SIB wurden wiederholt bei Tagungen vorgestellt. Dadurch hat es sich auch in Deutschland herumgesprochen, dass das SIB eine ausgezeichnete Arbeit leistet. Maßgeblich für die Zuerkennung des Preises war ein Kollegium aus hochkarätigen Universitätsprofessoren. Die Bediensteten des SIB haben übrigens auch eine Buchreihe initiiert. Dazu gehören Militärwörterbücher für die Sprachen unserer Nachbarländer, aber auch Titel wie "Sprachfibel Libanon" oder "Tschad - Visuelle Verständigungshilfe". Diese wasser- und reißfesten Mini-Bücher waren und sind auf die Auslandseinsätze Österreichs zur Notkommunikation zugeschnitten und werden auch ständig mitgeführt und verwendet.

Auch nonverbale Kommunikation mit Vertretern fremder Kulturen wird in den Broschüren des SIB als wichtiges Thema angeschnitten. Dieses Wissen könnte nützlich sein, wenn jetzt Soldaten zur Flüchtlingsbetreuung eingesetzt werden. Schön, dass man im Österreichischen Bundesheer nicht nur die Handhabung von Waffen, sondern auch den Umgang mit der Sprache lernt.