Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Die "Salzburger Nachrichten" haben als Erste darüber berichtet. Was folgte, war ein Rauschen im herbstlichen Blätterwald. Im hausinternen Netz unserer Landesverteidiger ist ein "Sprachleitfaden für einen geschlechter- und diversitätsgerechten Sprachgebrauch" erschienen. Er soll sicherstellen, dass beim Sprechen und Schreiben "Frauen sichtbar gemacht werden". Ich wollte mir den Leitfaden besorgen, doch Ressortsprecher Oberst Michael Bauer winkte ab. Es handle sich nur um einen Entwurf; dieser werde jetzt "im Einsichtsverkehr durch alle Sektionen gehen".

Also musste ich mir das Papier anderswo besorgen. Es ist 15 Seiten stark, auf 10 Seiten geht es um das Gendern. Die Autorin Silvia Moosmaier entwickelte gemeinsam mit der Wissenschafterin Maria Pober ein System, das sie PIN-Methode nennen.

Das P steht für Paarform: "Soldatinnen und Soldaten sind verpflichtet, die eigene Ausrüstung zu reinigen." Erfreulich ist der Nachsatz: "Im Sinne der Lesbarkeit ist von der Verwendung von Schrägstrichsetzung ("/") abzusehen."

Das I steht für Binnen-I. "Die KraftfahrerIn soll ab 8 Uhr bereitstehen." Darüber wurde viel geschrieben und meine Meinung ist bekannt: Konsequent angewandt ist es ein Humbug, wenn hin und wieder ein Binnen-I auftaucht, kann ich damit leben.

Das N steht für Neutralisierung, und ab jetzt wird es skurril. Dazu zählen geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen ("Militärperson" statt "Soldat") und geschlechtsneutrale Formulierungen mit Mittelwörtern ("die Bewerbenden" statt "die Bewerber" und "das Mitarbeitendengespräch" statt "das Mitarbeitergespräch"). In zusammengesetzten Wörtern sollen männliche Formen unbedingt vermieden werden:

"Besatzung" statt "Mannschaft". Auch "jemand", "niemand" und "man" dürfe nicht verwendet werden, denn "jemand" gehe auf "jeder Mann" zurück und auch in den anderen Wörtern stecke ein "Mann".

Ein Lichtblick: Die (männlichen) Formen von Dienstgraden, wie etwa Wachtmeister, Hauptmann oder Oberst, sollen "vorerst" auch für Soldatinnen in diesem Rang nicht geändert werden. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass jede Soldatin gemäß Artikel 7 des Bundesverfassungsgesetzes das Recht habe, Dienstgrade und militärische Verwendungsbezeichnungen in der weiblichen Form zu führen.

Die Medienberichte waren nicht detailliert, aber inhaltlich korrekt. Natürlich wurde auch darauf hingewiesen, dass den 48.400 Soldaten nur 460 Soldatinnen gegenüberstehen. Dagegen könnte man einwenden, dass sprachliche Gleichstellung nicht ab einer bestimmten Relation der Geschlechter beginnen soll. Interessant war ein Bericht auf "diestandard.at", die Frauen-Website der Tageszeitung "Der Standard". Die Posterinnen hielten die Initiative für nicht weniger lächerlich als die wohl mehrheitlich männlichen Poster auf den Webportalen der Boulevardzeitungen. Das scheint ein gravierendes Problem der feministischen Sprachwissenschaft zu sein. Nicht einmal die Frauen sind bereit, den radikalen Konzepten zu folgen. Ich empfehle, in einer wissenschaftlichen Studie die Meinung der 460 Soldatinnen einzuholen. Viele werden sagen: "Behandelt uns wie Männer - und gebts a Ruah!"