Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.
Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.

Auf der Suche nach ihren Chancen in der Arbeitswelt der Zukunft durchkämmten meine Studierenden, allesamt optimistische Digital Natives, mit einem raffinierten Algorithmus Hunderte von Dokumenten zur Veränderung des Wirtschaftssystems und fanden ein zentrales Stichwort: Industrie 4.0. Die meistgenannten Charakteristika dieser Industrie 4.0 waren: Datafication und Digitalisierung, auch genannt: die zwei großen D des künftigen Business.

Buchstäblich etikettierte "Aide Memoires" für erfolgreiches Management sind zurzeit ganz große Mode. Die einschlägige Literatur ist voll davon: zum Beispiel die vier C des sozialen Reichtums: Connectivity, Collaboration, Coopetition und Co-Creation oder Richard Floridas drei T der kreativen Klasse, Talent, Technologie, Toleranz. Drei ist das Mindeste. Und so fällt es auf, wenn die eben erwähnten Ds ein wenig ärmlich nur zu zweit daherkommen, ein drittes wäre ganz schön, als Referenz zur Dreidimensionalität. Ist ja eine gute Managementvokabel: sagt wenig, klingt gehaltvoll.

Nun ist aber die Sache so einfach auch wieder nicht, denn es tauchte bald ein mittlerweile verbreiteter Oberbegriff auf, und zwar diesmal konstruiert aus einem B- und D-Doppelwort: Big Data. Bei der Suche nach dessen Charakteristik widerfuhr den Analysten Erstaunliches. Denn gegen die Erwartung avancierten weder B noch D zu erhellenden Initialen, sondern, und das schon seit 2007, drei V-Worte: Volume, Velocity, Variety.

Was immer das im Einzelnen heißt: In der Folge waren es stets diese drei, wo man nach einer klaren Definition von Big Data und nach einer Antwort auf die Frage nach den Konsequenzen für die Arbeit der Zukunft suchte. So ging das eine Zeitlang im Kreis. Doch da man einen Erkenntniszuwachs anstrebte oder auch, weil sich die Big-Data-Welt doch schneller und unübersichtlicher entwickelte als erwartet, suchte man nach tiefergehenden Charakteristika und fand in lockerer Folge weitere wichtige Elemente: Value, Veracity, Viability, Visibility, Validity oder Volatility.

Die Inflation der V-Worte schürte den Verdacht, das Geschäft mit den Definitionen stelle - nach einer trefflichen Bemerkung des Soziologen Hans Albert - nichts weiter dar als ein Sprachspiel zur Weltorientierung. Was die junge Forschungsgruppe nun dazu motivierte, ihrem Algorithmus einmal umgekehrt nur Initialen einzuimpfen, um tags im Umkreis des Themas künftiger Arbeitskultur zu identifizieren.

Im Ergebnis-Ranking siegte das I (immerhin schon als ikonografische Identifikation hypermoderner Produkte wie I-Pad, I-Phone und Elektroautos bewährt). Das I also, als A & O einer erstrebenswerten Arbeitswelt der Zukunft, eine klingende Folge von Elementen einer Scorecard für die Potenziale des Individuums. Dessen Initiativeerschien als Ausgangspunkt für originelle Interpretationen von Daten und konkurrenzfähige Ideen sowie überraschende Initiativen, um mit faszinierenden Innovationen unverwechselbare Impulse zu setzen. Als die sieben I des Erfolgs.