Die Baumärkte haben wahrscheinlich längst eine Großbestellung für Holzbrettln aufgegeben. (Und proben schon einen neuen Werbeslogan: "Es gibt immer was einzusargen.") Um vorbereitet zu sein, wenn die Wiener ihre Esskultur wegpacken müssen. Also sämtliche Würschtlstandln. Wegen der Gastfreundschaft. Weil sich halt irgendwer denkt, dass der sensible Gast den grauslichen Anblick nicht erträgt. Immerhin brutzelt man da Schweine, die man in Gedärme gestopft hat. Ach, kommt ein Vegetarier auf Staatsbesuch?

Der iranische Präsident Hassan Rohani hat jedenfalls angekündigt, er werde Wien noch vorm Sommer . . . ähm: islamisieren? So ähnlich. Nämlich besuchen. Und in Rom war das irgendwie dasselbe. Da hat ja ein anonym bleiben wollender Sittenwächter plumpe und die weiblichen Formen total entstellende Holz-Burkas über unbekleidete antike Statuen gestülpt. Mein erster Gedanke zu den Pressefotos war freilich: Was? Pegida-Anhänger sind in die Kapitulierenden Museen, nein: Kapitolinischen Museen eingebrochen und haben die Venus in eine grapschdichte Umkleidekabine (in eine ohne Tür) gesteckt, damit dieser arabischstämmige Kerl sie nicht antatscht? Wäre ich der Rohani, ich wäre sofort abgereist und hätte zu Hause trotzig eine Atombombe gebaut, wenn man mich dermaßen beleidigt hätte. Wenn man alle Nackerten vor mir in Sicherheit gebracht und mir quasi unterstellt hätte, ich wäre so einer. Oder gleich vom IS und hätte stets einen Hammer dabei, um den Kulturschätzen der Ungläubigen die Spatzis und Tutteln abzuschlagen. Ehrenrühriger geht’s ja wohl nicht! He, diese IS-Typen sind Sunniten, ich bin ein Schiit! Meine Scharia ist besser als denen ihre!

Und dann war’s gar nicht die Pegida. Es waren die Guten. Der Gast sollte sich ganz wie daheim fühlen. Wie in Teheran. Denn die westliche Kultur ist einem Moslem nicht zumutbar. Später war er noch beim Papst und hat diesem einen Teppich geschenkt. (Einen Gebetsteppich? Und woher soll ein Katholik bitte wissen, wo Mekka liegt?!) Und der Franziskus hat sich revanchiert mit einem Bildchen vom Heiligen Martin. Aha, das ist diese ominöse Ökumene. Heiliger Martin? Hm. Wann hat der Papst den Luther heiliggesprochen? (Beim Mohammed hätt’ er sich das nicht getraut.) Hat die Merkel ihm bei der Privataudienz einen Kleinen Katechismus überreicht und zum Dank hat er ihren Luther versöhnlich in den Schoß der Kirche zurückgeholt?

Und? Wird’s eine Bannmeile rund um die Hofburg und ums Hotel "Imperial" geben für Raucher, Trinker, Hotdog-Esser? Müssen die Unsrigen vor dem Treffen abstinent bleiben (kein Alk, kein Schweinsbraten für 24 Stunden), damit sie die Wirtschaftsdelegierten nicht unhalal anhauchen? Irgendwann wird einer das Fenster öffnen, sich die Autoabgase reinziehen und zum Rohani sagen: "This could be the smell of your oil." Und um diesem die Schmach zu ersparen, Frauen diskriminieren zu müssen, indem er ihnen nicht die Hand gibt, lässt man einfach keine rein. Ins Zimmer stellt man ihm einen nagelneuen Fernseher, den "Ein Schweinchen namens Babe" noch nicht verunreinigt hat . . .

Na super. Auf die religiösen Gefühle von einem, der eh bald wieder geht, nimmt man übertrieben Rücksicht und die, die gekommen sind, um zu bleiben, oder die bereits seit Jahren hier leben, brüskiert man mit schwulen Ampelpärchen. Jetzt weiß ich echt nimmer, was Toleranz bedeutet.