Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".
Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

US-Außenminister John Kerry hat am Dienstag in einem Interview angekündigt, dass die USA sich in Syrien einer endgültigen Entscheidung nähern: Entweder gibt es Fortschritte in Richtung Waffenstillstand oder es geht Richtung Plan B, mit neuen militärischen Initiativen. Für Kerrys Kritiker ist das ein Spiel mit dem Feuer: Er macht einen letzten, verzweifelten Vorstoß für einen diplomatischen Durchbruch mit Russland und dem Iran beim Treffen am Donnerstag in München und droht, dass die USA "andere Mittel" haben, sollte die Diplomatie scheitern.

Kerrys Problem, sagen Skeptiker, ist seine Strategie. Sie habe die gleichen logischen Mängel, die auch die bisherigen drei Jahre Syrien-Diplomatie ergebnislos hinterließen: Russland und der Iran werden an ihrer Unterstützung für Präsident Bashar al-Assads Regime festhalten, US-Präsident Barack Obama wird keine militärischen Pläne billigen, die das Gleichgewicht in Syrien tatsächlich verändern könnten.

Aber Kerry macht weiter Druck, verbissen und, wie manche Kritiker sagen, wirklichkeitsfremd. Von Anfang an hat Kerry gehofft, Russland werde seine Interessen am besten durch einen politischen Übergang in Syrien gewahrt sehen. "Es besteht die Gefahr einer Implosion in Syrien und die Gefahr eines stark verlängerten Kriegs und die Gefahr von noch mehr Terroristen" - Kerry sieht also auch eine Bedrohung für Moskau, sollte man sich nicht einigen. Statt jedoch das Unheil zu sehen, scheint Russland an einen Sieg zu glauben. James Clapper, Chef des nationalen US-Geheimdienstes, hat Moskaus Motivation am Dienstag vor dem Kongress ganz offen so eingeschätzt: "Vermehrtes russisches Engagement, besonders die Luftangriffe, werden dem Regime vermutlich helfen, Schlüsselgebiete im Westen Syriens zurückzuerobern, die es im Sommer 2015 an die Opposition verloren hatte."

Kerry räumt ein, dass "Ausgereiftheit" für Verhandlungen entscheidend ist: Wenn eine Partei glaubt, sie gewinnt, stellt sie Ansprüche, die die andere Seite nicht akzeptiert - und das Gemetzel geht weiter. Der US-Außenminister sagt, es wäre "diplomatische Nachlässigkeit schlimmsten Grades" nicht noch einen letzten Versuch zu machen für einen Waffenstillstand, der den tausenden Zivilisten, die fliehen, helfen würde. "Wir testen, wie ernst sie es meinen [die Russen und die Iraner]", kündigte Kerry an: "Meinen sie es nicht ernst, muss Plan B in Betracht gezogen werden. Man kann nicht einfach so dasitzen." Genaue Angaben zu Militäroptionen hat Kerry nicht gemacht, sondern allenfalls in groben Zügen skizziert: Ziel sei es, "die Koalition gegen den Islamischen Staat (IS) anzuführen und die Opposition gegen Assad zu unterstützen". Obama habe bereits das Pentagon und den Geheimdienst angewiesen, "härter und schneller" gegen die IS-Extremisten vorzugehen, damit sie "so bald wie möglich gebremst werden und gezügelt und zurückgesetzt und niedergekämpft".

Gefragt, ob Obama für energischere Taktiken mit Sondereinheiten wäre, antwortete Kerry, dass Obama bereits Sondereinheiten eingesetzt habe und dieses Konzept testen wolle. Ungeduldige Kritiker könnten einwenden, dass man genau das vor zehn Jahren bereits im Irak versucht hat, und dass Obama Zeit schindet.

Übersetzung: Hilde Weiss