E.hatte seit Wochen gebettelt, endlich die Verfilmung von Robinson Crusoe sehen zu dürfen. Das Christkind hatte ihm Daniel Defoes gleichnamigen Roman geschenkt. Nun wollte er die großartige Abenteuergeschichte als Film noch einmal durchleben. Zwar war der Streifen computeranimiert, doch auch ich war entschlossen, mir dadurch das Vergnügen nicht vermiesen zu lassen.

Froh gestimmt fanden wir uns zu fünft im Kino ein. Dort stellten wir fest, dass Familiensonntag war. Dies brachte mit sich, dass ungewöhnlich viele Familien gekommen waren und alle Kinder ein gar nicht so kleines Sackerl Popcorn und ein Getränk gratis bekamen. Das Getränk war laut Barfrau ein "Cola für Kinder" der Marke "Dreh und Trink". Immerhin drei bis vier Stück Würfelzucker sind pro 100 Milliliter Flüssigkeit aufgelöst. Jedes der bunten Plastikfläschchen fasst 200 Milliliter. Die Homepage des Erzeugers charakterisiert diese Produkte folgendermaßen: "85 % Gebirgsquellwasser, 100% Geschmack".

Im Vestibül und auf den Stiegen zu den Sälen lagen konservativ geschätzt zwei Kilogramm Popcorn verstreut. Ich finde das nahezu unerträglich. Was sind wir für Menschen, dass wir Essen auf den Boden werfen und darauf herumtrampeln? Unser offenbar rückständig reaktionäres Erziehungsprogramm für zu Hause beinhaltet, dass wir unsere Kinder schon früh dazu anhielten, über dem Tisch zu essen. Falls trotz dieser Vorsichtsmaßnahme etwas unter den Tisch fällt, neigen wir dazu, dieses Etwas wieder aufzuheben. Wenn wir aber ins Kino gehen, streuen wir dann auch ein bisschen Futter unter die Füße? Langsam fürchte ich, dass wir den Wohlstand, den wir genießen dürfen, tatsächlich geistig nicht ganz verkraftet haben.

Und der Film selbst? Das war erst recht eine Pleite! Ich hatte den Inhalt nicht nachgelesen, weil ich ja dachte, die Geschichte um Robinson und Freitag zu kennen. Weit gefehlt! Da gab es keinen Freitag, sondern einen Papagei namens Dienstag, räudige, marodierende Katzen, einen edlen Hund und anderes Viehzeug. Die Katzen hatten Hunger und waren folglich hinter den andern Tieren her. Der Dauer-Krawall und -Krawumm machte mir klar, dieser Robinson bereitet sein zum Teil sehr junges Publikum auf künftige Action-Film-Orgien vor.

Dieser Kino-Nachmittag ließ mich erschöpft zurück. Alle Eltern wollen für ihre Kinder das Beste. Und die Wirtschaft will mit Eltern und Kindern beste Geschäfte machen. Was dabei herauskommen kann, habe ich gesehen. Öfter halte ich das nicht aus. Nächsten Sonntag gehen wir rodeln.