Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.
Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.

Heute soll eine verbreitete Bildungslücke geschlossen werden, die als kleine verräterische Schwäche im Small Talk ausgelegt werden, ja beim Gesprächspartner vielleicht sogar Zweifel am Eindruck eleganter Weltläufigkeit wecken könnte. Ich bin draufgekommen, weil ich in Washington DC zu tun hatte und mich nach der Pflicht zu einem Abstecher nach Baltimore entschied, um dort eine berühmte Universität zu besuchen.

Ich startete also auf der - nach dem zu Fuß absolvierten Amtsantritt Obamas wohl jedem Fernsehzuschauer bekannten - Pennsylvania Avenue in Washington DC, die ich nach Überquerung des Anacostia River verließ, um in die 295 in Richtung Baltimore einzufädeln.

Da ist man dann schon in Maryland, wo die 295 Baltimore-Washington Parkway heißt, weil sie durch eine anmutige parkähnliche Landschaft führt, bevor sie mitten in Baltimore in die Russell-Street mündet. Die verließ ich am North Martin Luther King Boulevard, dem ich das kurze Stück bis zur North Howard Street folgte. Nach einigen Kilometern landet man auf dem Museum Drive. Das ist dann schon nah am Ziel: am Campus jener berühmten Bildungsstätte, die weltweit in allen erdenklichen Quellen als John Hopkins University geführt wird, aber, zumindest nach den Schildern an ihrem Heimatort Johns Hopkins University heißt. Ich halte diesen Hinweis für notwendig, weil kürzlich wohl zum tausendsten Male, und diesmal sogar auf dem gebildeten Fernsehkanal arte, von der John Hopkins University die Rede war.

Man mag das als Beckmesserei abtun, aber hinter dieser kleinen Schlamperei steckt mehr - vor allem dann, wenn das sogar gelegentlich auch von Wirtschaftsjournalisten geschrieben wird. Klar, sie dachten, dass sie einen blöden kleinen Fehler korrigieren, denn Johns kann ja wohl keiner heißen. Der hier aber, der im Eisenbahngeschäft reich wurde, 1873 starb und testamentarisch verfügte, den größten Teil seines beträchtlichen Vermögens in ein Krankenhaus und in eine Universität zu investieren, hieß eben Johns, so benannt nach dem Familiennamen seiner Großmutter Margaret Johns. Nicht erst heute vermachen Eltern ihren Kindern mitunter gewöhnungsbedürftige Vornamen. Und so trugen die Institutionen von Anbeginn, wie in den USA üblich, seinen Namen, weshalb die Uni so heißt wie sie heißt.

Wie gesagt, man mag das als arrogante Beckmesserei abtun, aber irgendwo muss man anfangen, damit das nicht weiter einreißt. Es würde ja wohl auch keinem Österreicher passen, wenn eine der renommiertesten Wirtschafts-Universitäten des Landes plötzlich in allen erdenklichen Quellen als chinesische Bildungsstätte erschiene, nur weil sie im Kürzel als WU geführt wird. So irre das klingt, ist das nun nicht: Immerhin trugen eine ganze chinesische Dynastie und später ein Königreich diesen Namen. Und abgesehen davon könnte drüben eine Irritation dadurch entstehen, dass in einem fernöstlichen Kampfsport der Begriff für - Leere des Geistes ist.