Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Der Titel des ORF-Dialogforums war ironisch gemeint: "Wie lecker ist das Österreichische?" Soll heißen: Wie gschmackig ist unsere Sprachvarietät. Aber wie so oft fand das eigentliche Thema kaum Niederschlag in der anschließenden Berichterstattung der Zeitungen. Ein Randthema sorgte für Schlagzeilen: "Im ORF soll es auch ein bisschen ‚serbeln‘!"

Ich hatte dieses Zeitwort nicht gekannt, das "Österreichische Wörterbuch" kennt es auch nicht. Der "Rechtschreib-Duden" vermerkt einen gleichlautenden schweizerischen Ausdruck mit der Bedeutung "kränkeln". Gemeint ist aber: mit serbischem Akzent sprechen.

"Der Sprachgebrauch in Österreich soll sich abbilden", meinte Rudolf de Cillia von der Universität Wien. "Wir haben hier einen großen Prozentsatz an Personen, die so sprechen." Wenn ein Armin Assinger mit seinem Kärntner Dialekt moderiere, müsse das auch bei jemandem mit slawischem oder türkischem Akzent möglich sein. "Es haben sogar ganze Generationen von Quizmastern mit holländischem Akzent Karriere gemacht." Allerdings solle dies nicht für die Moderation von Nachrichtensendungen gelten. "Ein Quiz moderieren ist etwas anderes."

Rudolf Muhr von der Universität Graz verwies auf Großbritannien: Die BBC setze seit 15 bis 20 Jahren auf Sprecher mit verschiedenen Akzenten: "Das soll vor allem Zuwanderer aus Pakistan und Indien abbilden." Auch hier gebe es die Einschränkung, dass diese keine allgemeinen Nachrichtensendungen moderieren. Sprecher mit erkennbarem Zuwandererakzent im öffentlichen Fernsehen würden mittelfristig die Akzeptanz dieser Gruppen steigern - "nachdem sie zunächst einmal Aggressionen von eindeutiger Seite hervorrufen". Auch

Muhr verwies auf Assinger, dessen Dialekt zunächst Empörung bei den Zusehern hervorgerufen habe.

Allerdings redet Assinger nicht kärntnerisch, er verwendet österreichisches Standarddeutsch mit kärntnerischen Einsprengseln. Und beim Serbeln geht es um etwas anderes: Jemand spricht Deutsch als Fremdsprache, wobei seine Muttersprache als Akzent hervorklingt. Auch das kann liebenswürdig sein: Man denke an das Böhmakeln des braven Soldaten Schwejk.

Der Ausdruck "serbeln" ist irreführend gebildet nach dem Muster von sächseln oder schwäbeln - so redet ein Sachse oder ein Schwabe, wenn er in seiner Mundart spricht. Die Wortbildung "serbeln" verleitet dazu, Dialektanklänge mit einem Fremdsprachenakzent gleichzustellen. Und sie ermutigt Zuwanderer, ein korrektes Deutsch erst gar nicht zu erlernen.

Übrigens: Die Forderung der Wissenschafter ist längst erfüllt. Man höre sich ein TV-Interview mit dem Trainer des SV Mattersburg an: Der in Split geborene Ivica Vastic schoss im Nationalteam 50 Tore für Österreich - und er wird wohl nie ein fehlerfreies Deutsch sprechen. Mit Wohlwollen höre ich auch Paul Lendvai zu; er ist nicht Slawe, sondern Ungar - und das Ungarische springt aus jedem seiner Sätze hervor.

Wo kämen wir hin, wenn die Muttersprache aller Migranten im ORF sichtbar wäre? Die größte Zahl an Migranten kam in den letzten Jahren aus Deutschland. Viele von ihnen sind resistent gegenüber österreichischen Sprachgewohnheiten. Sie "deutscheln".