Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Wir saßen gebannt vor dem Fernseher. Der ORF enthüllte Unterlagen des panamaischen Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca. Eine riesige Datenmenge war ein Jahr lang von Journalisten ausgewertet worden - koordiniert durch das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). Aber wer hat die Briefkastenfirmen errichten lassen? Personen aus dem Umfeld von Putin bis zu Chinas Xi Jinping, vereinzelt auch Europäer. US-Promis und US-Politiker blieben verschont. Zufall?

Aber es gibt ja Wikipedia. Noch während der TV-Sendung habe ich nachgeschlagen: Das in Washington angesiedelte Journalisten-Konsortium ist die Tochter einer Non-Profit-Organisation mit dem Namen Center for Public Integrity (CPI). Gefördert wird das CPI von einer Reihe US-amerikanischer Stiftungen.

Auffallend war, dass die "Süddeutsche Zeitung" nicht sagen wollte, wie sie in den Besitz der Daten kam. War es ein Whistleblower? Ein Hacker? Und während Wikileaks die Daten immer komplett veröffentlicht, hat das Journalisten-Konsortium genau das abgelehnt - mit Verweis auf den Schutz von Persönlichkeitsrechten. Ich bin überzeugt: Die Vorwürfe gegen Russland und China stimmen. Aber dass es nun den Steuerhinterziehern und Geldwäschern an den Kragen geht, glaube ich nicht. Der ehemalige britische Diplomat und Menschenrechtsaktivist Craig Murray stellte als Erster die Unabhängigkeit des Konsortiums infrage. Schließlich finde man unter den Finanziers die Ford Foundation, den Rockefeller Family Fund, die

W.K. Kellogg Foundation und die Open Society Foundations von George Soros. Craig Murray rechnet daher nicht mit einer "schonungslosen Offenlegung des westlichen Kapitalismus". Die "dreckigen Geheimnisse" der westlichen Unternehmen würden auch weiterhin verschlossen bleiben.

Ziel der Enthüllungen waren hauptsächlich Länder, mit denen die USA nicht gerade gute Beziehungen unterhalten. Die Frage "Cui bono?" drängt sich auf. Ein investigativer Journalismus muss es sich gefallen lassen, dass er selbst Ziel einer investigativen Hinterfragung wird.

Dann konnte ich am Samstag im "Einser-Kastl" des "Standard" lesen, warum die Amerikaner in den "Panama Papers" fehlen: "Reichtum gilt in den USA nicht als Schande, und die USA sind selbst ein Niedrigsteuerland." Und Kritiker der Panama Papers - von der deutschen Linken bis zur Front National - wurden als "antiwestliche Verschwörungstheoretiker" bezeichnet.

Verschwörungstheoretiker sind Menschen, die behaupten, Hitler habe das Ende des Zweiten Weltkriegs überlebt und sei in Lateinamerika untergetaucht. Oder: Die Mondlandung der Amerikaner sei ein Fake gewesen. Solche Unsinnigkeiten werden mit einer anti-aufklärerischen Absicht in Umlauf gesetzt. Wenn alles getürkt ist, brauche ich an nichts zu glauben.

Aber wenn uns mit den Panama Papers Sand in die Augen gestreut werden sollte, dann ist dieses Unterfangen ohnedies gescheitert. Unmittelbar nach den Enthüllungen konnten Sie beispielsweise in diesem Blatt lesen, welche Steueroasen es noch gibt und warum sie florieren - weil die großen Industrieländer, allen voran die USA, kein Interesse haben, dagegen etwas zu unternehmen.